CHEFDENKER und DIE SUPERFREUNDE - EP Release Party - 01.10.04 Sonic Ballroom, Köln

So, alles klar, die Splitsingle mit den Emsländer Artrockern SUPERFREUNDE ist draußen, die Releaseparty im Emsland mit Mistgabeln und in Gummistiefeln ist gelaufen, jetzt wird im Gegenzug in der Weltstadt Köln im glamourösen Sonic Ballroom zum Empfang mit Kaviar und Schampus gebeten.

Aufbau, wie immer, und die faulen Emsländer Säcke packen selbstverständlich nichts an, was irgendwie nach Arbeit aussehen könnte. Sicherheitshalber erscheinen die auch erst was später und stinken alles voll. Nun gut, das können sie ja, immerhin!

Ratzfatz ist der Sonic Ballroom mit 150 Leuten ausverkauft, geilomat, allerdings müssen viele draußen bleiben, was natürlich totale Scheiße ist, aber auch leider nicht zu ändern. Leute aus allen möglichen Ecken der Republik haben die lange Fahrt umsonst gemacht, viele unserer besten Freunde kommen nicht mehr rein, kacke, sogar Sonic-Stammpublikum bekommt keine Ausnahmegenehmigung, und nicht mal den Matt kriege ich irgendwie beim Veranstalter reingebettelt, der hat uns ja immerhin unser Gästebuch gebastelt.

Eigentlich sollte ja der IchsinnderMolzberjer persönlich hier auflaufen, um den Kölnern mal zu zeigen, was es eigentlich heißt, Oberbergische Mundart perfekt zu beherrschen, aber der kann nicht, weil er noch woanders Karriere machen muss. Hui! Wichtiger Mann!

Jedenfalls lässt es sich der Köbisch nicht nehmen, SUPERFREUNDE-Texte zu lesen, damit die Emsland-Unkundigen im Publikum schon mal in etwa einen Eindruck von der unglaublichen Genialität vom SUPERFREUNDE-Sänger Bauer Bühl (der Bauer) bekommen: "Frauen kloppen das muss sein, Leben kann so schön sein." Und andere, ähnlich geschmackssichere Lyrik...

Dann laufen sie unter "Superfreunde kann niemand trennen"-Chören auf. Live, bunt und in Farbe: Bauer Bühl (der Bauer), Metal Berten (der lustige Clown), Nazi-Neiß (der Asi) und Husemann. Ein Typ hinter mir bemerkt treffend: "Boh, sieht der Schlagzeuger mit seinem Schnauzbart scheiße aus!" Die Mädchen in der ersten Reihe bekommen allerdings reihenweise multiple Orgasmen beim Anblick von Bauer Bühl (der Bauer) in Strumpfhose und engem Höschen, wo die Eier sich seitlich rausquetschen. Lecker!

Ein Mädel diskutiert mit ihrem Freund, ob die jetzt unfreiwillig komisch sind oder nicht, und deren Freundin merkt traurig an, das die ja gar nicht richtig spielen können. Witzig!

Zuviel Spaß ist nicht gut für die Verdauung, also stelle ich mich raus um ein bisschen abzutexten, werde aber sofort wieder reingeholt, weil Metal Berten (der werdende Vater) ganz glanzvoll und lässig aus der Hüfte meinen Verstärker gehimmelt hat. Toll, Metal Berten (der Penner)! Man muss seinem Image treu bleiben: Nichts mitbringen, nicht schleppen helfen, aber dafür alles kaputt machen. Entweder man hat es drauf, oder man hat es halt nicht drauf. Jetzt kann denen immerhin niemand einen zu geringen Punkrockfaktor vorwerfen.

Tja. Das braucht man natürlich so kurz vorm Konzert: Amp kaputt. Hass! Und da der alleine ja bekanntlich nicht mehr genügt, würde ich am liebsten die ganze Hütte niederbrennen und einen ganz dicken Haufen drauf scheißen, aber Hauptsache Metal Berten (der große Rockstar) kann in Ruhe Kippchen drehen und braucht sich weder für den geliehenen Kram bedanken, der ihm kaputt gegangen ist, noch behilflich bei Reparaturversuchen zu sein. Könnte für ihn ja in Arbeit ausarten! Hat ja ein Metal Berten (der lustige Kippchendreher) ü-ber-haupt gar nicht nötig, dafür regt sich Nazi-Neiß (der Asi) standesgemäß auf, das er doch extra gesagt hat, das der Amp erst beim letzten Song kaputt gemacht werden sollte...

Alles verzögert sich ewig, ein neuer Amp wird besorgt, Schülerbandkacke ahoi, und zu einer Uhrzeit, wo eigentlich schon alles vorbei sein sollte, gehen wir auf die Bühne. Komplettomat unentspannt! Und wenn es einmal so glatt läuft, dann läuft es aber auch richtig glatt, ist ja immer so: Claus´ Amp geht auch kaputt!

Meine Nerven! Frickel frickel, hin und her, manche Leute fragen sich, ob denn heute noch was passiert, die anderen hauen sich in der Zeit die Hucke zu das es nur so kracht.

Und dann endlich: Wir können anfangen. Mal was ganz neues: Musik machen. Eigentlich eine tolle Idee, so als Band auch mal Musik zu machen, und nicht nur auf einer Bühne zu stehen und Sachen zu reparieren. Na egal.

Was bleibt uns auch anderes übrig als jetzt die Überprofis zu markieren, den Stress in den Klammerbeutel zu packen und wegzuhängen, denn jetzt heißt es erstmal DEF-SCHENKER: Gö!

Ziemlich geil gemischtes Publikum, von kleinen Mädchen, die natürlich in erster Linie Matzes Leopardenhöschen anschmachten, über Metaller und ganz normale Studenten-Alkoholiker, bis hin zu der Sicherheitsnadel-Fraktion, die Claus aufgestellten Iro abfeiern. Einfach alles vertreten, total geil!

In den vorderen Reihen wird lustig vor sich hingeschubst und getanzt, und ein Typ gibt mir permanent irgendwelche Zeichen, aber ich habe nicht die geringste Ahnung, was der denn jetzt von mir will. Will er mir einen blasen? Will er mir sagen, das er die gleiche Gitarre hat? Ist er so abgeschraubt, das er sellba nich weiß watt er eigentlich will? Keine Ahnung.

Jedenfalls müssen wir nach jedem scheiß Lied erst mal drei Stunden Pause machen, weil permanent irgendwas kaputt ist oder nicht richtig funktioniert, angefangen vom Kabel bis hin zu watt-weiß-ich! Punkrock ist, wenn alles kaputt ist, ich glaubs einfach nicht!

Den meisten scheint das aber egal zu sein, die fallen lustig in der Gegend rum und immer wieder ins Mikrofon, aber zum Glück macht der Köbisch heute ganz amtlich die Bühnennutte, Daumen hoch. Ich schaffe es doch tatsächlich irgendwie auf der kleinen Monitorbox rumzubalancieren, mannomann bin ich wieder gut, und am besten klingt alles, wenn mir irgendwelche Leute in die Gitarre grapschen. Eigentlich läppsch, die müssten die Gitarre kaputt machen, um dem Konzept des Abends treu zu bleiben, aber so habe ich wenigstens die Möglichkeit alle wichtigen Poserschweingebärden fein säuberlich nacheinander abzuhaken: Gitarre auf dem Rücken, Rotzen und Rotze wieder auffangen, Tappingsolo mit dem Fuß auf der Monitorbox und senkrecht stehende Gitarren vom Thomas und mir gleichzeitig. Also da kann man doch echt nicht meckern, ist doch wohl wieder alles dabei, sogar mein Kajal sitzt wie ne Eins! Na gut, Thomas zeigt heute nicht seinen Piepmann, aber gegen Husemanns Fleischpimmel im Vorprogram würde man ja eh nur abstinken. Wie dem auch sei, der Chor am Ende vom Punkrockkavalier ist ziemlich geschmeidig, der Kölschrocksong wird über alle Maßen hinaus begeistert aufgenommen, ist ja klar, und sogar die sechs neuen Stücke, die auf die kommende Platte gepackt werden, kriegen allesamt vom Publikum ein Däumchen in die Höhe attestiert, wer hätte das gedacht? Direkt wieder ein Grund mehr sich auf die kommende Platte "Eine von hundert Mikrowellen" zu freuen! Übrigens ein super Titel, da haben sich aber ein paar Leute wieder selber übertroffen!

Claus lässt sich beim Gitarre stimmen abfeiern, und als er feststellt, das die Gitarre allerdings gar nicht verstimmt ist, merkt er an, das er wahrscheinlich einfach nur scheiße gespielt haben muss, und das ihm das ja noch nie passiert ist!

Die bekackte Ballade von der Single mit der Schneewalzer-Melodai ist scheinbar auf Anhieb das Liebchen des Publikums, denn sofort fühlen sich alle genötigt, eine flotte Sohle aufs Parkett zu legen, oder wahlweise die Feuerzeuge auszupacken, ziemlich cool!

Alles geil, wieder ein verdammt geschmeidiger Auftritt zu Ende, und da lässt es sich auch verkraften, das wir beim abbauen von allen Seiten von Besoffenen zugetextet werden, die einem beim reden dann immer so ganz nahe kommen, dabei spucken und schreien, das man taub wird, nur um zu sagen, das die Mama eine total liebe Mama ist, und CHEFDENKER auch total gut findet... na ja, ist ja nur nett gemeint, aber das könnte ja auch warten, bis wir fertig abgebaut haben.

Egal. Also schnell auch den Kopf abschrauben, dann fällt das nicht mehr auf, Matze und Claus verdünnisieren sich, der Rest schüttet sich zu was das Zeug hält, bei musikalischer Untermalung vom SAILORS-Uli. Frank ist der Meinung, das Beni, der ÜBERMENSCHEN-Sänger, kotzen sollte, obwohl der eigentlich gar nicht will. Aber er lässt sich überreden, kotzt, und danach ist ihm schlecht. Hä? Jazz pennt ein, und wacht auf, weil ein Typ sie begrapscht, sie schickt ihn weg, und er sagt, das sie auch mal erwachsen wird. Hä? Bauer Bühl (der Bauer) verkloppt nebenbei Nazi-Neiß (der Asi), indem er ihn auf die Straße wirft und sich draufschmeißt, dann stehen die zwei wieder auf und gehen zusammen Heia machen. Hä? Der INTEROZITOR-Marcel wird von seinem Kumpel (!) gegen die Wand geschubst und kriegt eine wundervolle Platzwunde überm Auge, die genäht werden muss. Punkrock is wenn einer blutet! Drinnen lässt sich der Uli zu musikalischen Perlen wie BODYCOUNT hinreißen, und lustigerweise pennen die Emsländer alle irgendwo anders privat in Köln, aber die Kölner pennen im Sonic Ballroom. Gegen sechs Uhr morgens habe ich dann die geniale Idee mit der Bahn nach Hause zu fahren, und wache erst mal an der Endstation im Südwesten am Sülzgürtel auf, fahre wieder zurück und wache erst an der Endstation im Nordosten in Holweide auf. Toll gemacht. Also wieder lustig zurück, bis der Schaffner mich aus Mitleid an der richtigen Station zum umsteigen weckt. Da penn ich auch noch mal ein, ich gammliges Wrack, und habe am Ende, statt dreißig Minuten, satte vier Stunden nach Hause gebraucht. Rock´n´Roll ist kein Lehnstuhl!

Konzert Nummero 49 glanzvoll hinter uns gebracht, war super, ausgezeichnet uppjemacht, alles im Lack! Prost!