CHEFDENKER, TREND, THE RIOTS - 03.04.2004 JZ HOT, Herzogenrath

Wir fahren hin. Wir kommen an. Mal was Neues.

Ingmar (D-SAILORS) plus Freundin und Rasmus zecken sich auf die Gästeliste. Viel Warterei, wie immer. Es findet sich trotz fünf Bands kein Snareständer, also spielt Matze den edlen Spender. Thomas stellt sich mal geschmeidig dem hübschesten Mädel vor, die aber erwartungsgemäß schon in festen Händen ist. Die Sonne scheint heute nicht besonders kräftig. Und, um es vorweg zu nehmen, das bleibt leider bis zum Ende so. Egal, Ingmar stört das nicht, Ingmar schießt sich ab. Gestern, so erzählt er, hat er es nicht mal ein Stockwerk höher aufs Konzert geschafft. Musste mit dem Merch-Gott Diz uppmaachen. Ausgezeichnet!

Erste Band, THE RIOTS, aus Jülich Rockcity. Geil! So ne Art New-Hardcore. Nur geiler! Vier Jungs, der Basser von den kürzlich aufgelösten CHEESE & ONION, und der Sänger hüppelt astrein in der Gegend rum und schreit sich heiser als gäbs Freibier, während der Drummer echt gekonnt Dampf gibt und lockere Groove-Parts einschmeißt. Saugeil, beide Daumen hoch, die haben jetzt schon ein großes Publikum verdient!

Ingmar schießt sich derweil weiter ab und kauft seiner Freundin ganz lieb ne Fanta, die muss ja noch fahren. Da entschließt sich unser Fahrer Frank nicht hinten dran zu stehen und auch zu saufen. Toll, Prädikat "Hinfahrer" (Schulterklopf). Der Bachner mischt wenigstens noch!

Zwischendurch lerne ich den Meister kennen, der das "Human Parasit"-Fanzine macht, den "Rundbrief an Bekloppte, Versager und Vollidioten", und leiste mir für unverschämt bonzige eins fuffzich die Ausgabe Nr.2. Beim Durchblättern finde ich den mir bereits bekannten Verriss der mächtigen PARASITEN, und lasse den Meister natürlich sofort wissen, das die PARASITEN meine (und natürlich auch unsere) absolute Lieblingsband ist. Darauf meint er, so trocken das die Blätter von den Bäumen fallen: "Ja meine doch auch." Derweil schießt Ingmar sich weiter ab.

TREND haben einen ziemlich coolen Sänger. Groß, dünn, kaum Haare aufm Kopp, macht seinen Job sehr amtlich, indem sich bei jeden Song woanders rumtreibt: Ein Liedchen singt er sitzend auf der Theke, dabei gelangweilt guckend aber schreiend als hätte er Nägel im Arsch, sehr geil! Dann steht er mal auf der Box rum oder kippt sich Bier in die Fresse. Kann einiges! Den vergisst man nicht so schnell. Und der schwere Schlagzeuger schiebt die Bassdrum bei jedem Song einen Meter weiter nach vorne, trotz Teppich! Bisschen cool, was? Trotz allem ist bis auf drei oder vier niemalsmüde Tret-Tänzer das ganze Publikum eher ruhiger Betrachter. Ingmar bleibt fleißig.

Jede Band reißt hier ihr komplettes, ungekürztes Set runter. Ist ja auch OK, wenn man ja schon mal da ist, will man ja auch spielen. Heißt für uns nur wieder sehr spät anfangen. Und bei fünf Bands in voller Länge werden gegen Ende viele Leute keinen Bock mehr haben. Kennt man ja auch von sich selber (sellba). Egal, stört den Ingmar gar nicht. Hau ruck.

Matze und ich stellen fest, das wir uns langweilen. Thomas steigt (ENDLICH!) von Bier auf Wasser um, damit er gleich wenigstens noch stehen kann. Ingmar nicht. Frank und meine Wenigkeit gewinnen andauernd am Kickertisch. Hach, wir sinn und bleiben de Geilsten.

Eine Band hat ein unglaublich sympathisches, kleines Mädel als Frontfrau, mit eigenem Gesangsstil, und viele Leute feiern die Band richtig kräftig ab! Zurecht. Jetzt ist die Stimmung auf dem Höhepunkt, dafür gibt's einige Zugaben als Dank, während Ingmar unbeirrt weiterarbeitet und mir davon erzählt, das die mächtigen SCHROTTGRENZE-Jungs ein Getränk in unseren Regionen etabliert haben, das sich Kettenfett nennt. Das heißt halt so, weil es wie Kettenfett aussieht. Ist im Grunde nur Schnaps mit Lakritz drin. Schmeckt nach Lakritz, scheppert wie Schnaps, was will man mehr? In der Jülicher Kuba-Kneipe kann man das selbstverständlich kaufen.

Dann fährt der letzte Bus, und ein Pulk an Leuten verlässt das Gebäude. The Audience has left the building. Naja, es gibt halt so Tage, die gibbet nich. Wir bauen auf, und Jazz fällt derweil auf die Fresse und knockt sich selber aus. Kreislaufknick. Hmpf, aber kurz später ist alles wieder im Lack. Gut, mit den letzten, müden Gestalten vor uns legen wir los. CHEFDENKER gähn und gö. Ein Typ versucht den Rest durch Gröhlereien ins Mikro zu animieren, klappt aber nicht. Wir geben alles, was geht, inklusive Proll-Posing und auf-die-Box-Klettereien, aber irgendwie bleibt das Konzert unterm Strich lahm. Aber zwei Mädels belachen sich ununterbrochen herzhaft über die senkrechte stehenden Gitarren. Süß.

Dann klingt meine Gitarre auch noch mumpfig, als würde ich über eine Wolldecke spielen, und ich kriegs einfach nicht weg. So ein Tag, so wunderschön. Aber wie ließ uns ein unbekannter, sonnenbebrillter Mann wissen: "I could have done better, but I don´t mind, don´t think twice it´s all right." Und um noch einen draufzusetzen stehen zwei Typen direkt vor mir, die aussehen, als würden die sich jeden Moment aufs Maul hauen. Och Gottchen, wann wird's mal wieder richtig Sommer!

Dafür entschädigt Claus gegen Ende aber die ganz Hartgesottenen, die bis jetzt geblieben sind, mit einer gestörten Show im Sinne von auf dem Boden liegen und rumwälzen, auf den Knien sitzen und dabei singen und irgendwie doch leicht abdrehen. Hm. Cool!

Ach joh nu, ab nach Hause, saufen, und sogar die SUPERFREUNDE laufen noch auf, mit denen wir am nächsten Morgen schön sechstklassige Fußballspiele gucken gehen. Prost.