CHEFDENKER und LILI -
03.07.2003 Köln, Underground
Wir sind, verdammt noch mal, Kinder des Glücks! Mit den Shitfuckers einen Proberaum teilen, eine Tour im Osten, mit den mächtigen FUCK A DUCK und sogar KNÜPPELDICKE aus Torgau spielen dürfen und jetzt – um die Kirsche auf dem Sahnehäubchen noch mit Zucker zu bestreuen – mit den einzig und alleineigen LILI im Underground spielen dürfen! Bitte erschießt mich doch einer, mein Leben war noch nie so schön wie heute!LILI spielen ein „Showcase“ für einen Herrn Wichtig von einem Majorlabel. Ob der da Mülltonnen ausleert oder Bilanzen unterschreiben darf weiß natürlich keiner, aber dann wäre es ja auch nicht mehr so interessant. Jedenfalls wird für so einen Anlass natürlich die entsprechend gediegene und gepflegte Vorband engagiert – Wir. Also laden wir unser gesamtes Equipment in den Ex-Lemonbabies-Bus von Ex-Lemonbaby Lina und bauen den ganzen Scheiß im Underground auf. Der Soundcheck krampft sich so hin und Ylva besteht immer noch darauf das Sport gesund sein soll. Pfft, so ein Scheiß kann die mir doch nicht erzählen, alles Sportstudenten-Propaganda! Die Bandscheiben gehen kaputt, man schwitzt und stinkt wie ein Schwein und außerdem kann man dabei nicht in Ruhe sein Bier trinken. Was soll daran bitte gesund sein? Jedenfalls reißt es mein Herz in zwei Teile als ich eine Völkerwanderung von Metallern mit ansehen muss, die am Underground vorbei führt direkt zum TYPE O NEGATIVE – Konzert in der Live Music Hall. Scheiß Rockstardasein! Alle da: D-SAILORS Uli genauso wie der Bierschinken-Fö, der Götz und der SELFMADE MILLIONAIRES Sascha plus Natti (Hö), KINDERS Caddy, Köter-Silke ohne Köter, Köbisch, KINGS OF LAS VEGAS Burn und so weiter. Nur der Herr Kremer muss noch im Krankenhaus warten, bis sein Rücken wieder zusammengewachsen ist. Und schon fangen wir 9 arschwackelnden 6 CHEFDENKER vor richtig gut gefüllter Hütte an. Standesgemäß sind wir brechend laut und haben einen eigenartigen Sound, aber dafür vergisst der Claus auch ein paar Texte mehr als sonst. Das liegt allerdings daran, das wir alle Stücke drei Mal so schnell spielen wie gewöhnlich. Wahrscheinlich weil LILI zugucken. Ich nutze den seitlichen Laufsteg zum Pimmel raushalten und die Monitorboxen zum rumhampeln. Heidenspaß! Hier mal ein metallischer Gruß, da mal ein schiefer Ton, der Roggen Roll is halt quietschlebendig. Jaja klar. Köbisch greift noch kurz als Bandnutte ein, damit beim Boxenposing auch nicht alles zu Brei geht und unser Kölschrock jefällt de Pänz un de aal Lück. Ich darf doch annehmen, das die Lili-Ladys schwer beeindruckt waren! Auch wenn sie es nicht gesagt haben können wir unsere Mission somit als erfüllt betrachten. Ordnungsgemäß lassen wir uns hier und da abfeiern und schon wird es Zeit für LILI! Natürlich fungiere ich als ungefragte und freiwillige Bandnutte damit Lili sich auch voll und ganz darauf konzentrieren können das volle Brett zu fahren! Ganz nebenbei sehen die Mädels heute noch strahlender aus als sonst. Und schon ertönt das Intro: „Vor hundert Jahren machten sich vier Damen auf die Welt zu erobern bla...“ Und „L“, die Drums donnert, yeah, „L-I“, die Gitarren sägen der Audienz die Köpfe ab, „L-I-L“, der Bass verteilt kräftige Tiefschläge, „L-I-L-I“, und Ylva glänzt wieder mit sozialkritischen Texten wie: „LILI!“ Nahtlos geht das Set über in „Heut ist mein Tag“. Der Song spricht mir heute aus der Seele und die ersten Leute dancen ab was das Zeug hält. Hell yeah. Hö. Von hinten sieht die Show auch cool aus und da kann man viel gemütlicher trinken. Vorher habe ich der Bassistin Dani noch erklärt, wie man richtig auf einer Monitorbox post, und schon steht sie in ihrem knappen Jeansrock auf der Box. Diese einmalige Gelegenheit lässt sich der Matze natürlich nicht entgehen und verdreht sich seinen Kopf was die Sehnen so hergeben. Dummerweise steht die besoffene und somit Alice-Schwarzer-mäßige Silke daneben und prügelt sofort los. Riesenschauspiel! Außerdem erzählt sie jedem eintausend Mal das wir den Frank mit seinem kaputten Rücken doch nicht mit auf Wacken nehmen sollen. Dann kommt endlich wieder der Blockflötenteil, welche Wohltat für die Ohren! Die Blockflöten werden großzügig ins Publikum geschmissen und landen direkt im linken Auge von einem kleinen Mädchen. Toll. Wider erwarten brüllt niemand was von ausziehen, dafür aber was von Zugabe und schon ist der Traum wieder vorbei. Beim abbauen vergeht so viel Zeit, das man sich Weihnachtsbäume selber hätte großzüchten können (UPS!) und die ersten kommen vom Type O Konzert wieder. Nach dem Wegbringen von unserem Scheiß war es zu spät um richtig mit saufen anfangen zu können, weshalb hier diesmal keine dämliche Saufstory steht. Schade aber auch, man kann halt nicht alles haben. Die bereits stramme Meute saß noch lustig im erhabenen Cave. Naja. Aber dafür sind der Köbisch und ich die ersten auf der Lili-Bandnutten-Liste, wenn LILI demnächst mal ganz lässig aus der Hüfte Deutschland unsicher machen. Hail LILI! Scheiß auf Slayer. |