CHEFDENKER und KARMA KOLA - 05.12.2003 Korn, Hannover

Unser Tour-Wochenende beginnt, zwei Mal hintereinander mit KARMA KOLA, wo der jetzige Gitarrist und Hauptsongwriter damals vor Hasan bei KNOCHENFABRIK Bass gespielt hat. Äußerst nette Jungens und zwei Mädels (Gesang, Bass), Hannover mit lecker Essen und coolen Pennplätzen. Vor dem Konzert unterhalte ich mich mit einem Typen mit Misfits-Shirt, langen, schwarzen Haaren und vielen, sehr groß geratenen Tattoos. Der wirkt irgendwie unglaublich düster, wenn auch irgendwie nett. Der macht halt einen komplett kaputten Eindruck und erzählt, er singt in einer Industrial-Band. Also schon arg schräg! Und so ähnliche Sachen fallen mir bei relativ vielen Leuten heute Abend auf. Nett aber...irgendwie kaputt. Nun gut, wir sind ja auch in Hannover, und nicht bei Oma aufm Schoß!

Frank, Natti (hö), Sascha und Susi sind auch mit von der Partie, als Zecken, und Jessie als Merch-Lady. Und alle machen ihren Job wirklich erstklassig, leck mich am Arsch!

Netter, kleiner Raum, nett gefüllt, KARMA KOLA fangen an. Die braten verzerrte und meist durchgespielte Gitarrenwände runter, mit sehr abwechslungsreichen Aufbauten und originellen Schlagzeugbreaks, und über allem thront die mehr als äußerst sympathische Stimme der Sängerin, die im übrigen oft klasse Gesangslinien ausm Ärmel zaubert. Bewegt wird sich wenig im Hause KARMA KOLA, hier spricht die Musik. Das kann allerdings nicht verhindern, daß man ununterbrochen auf die Sängerin starren muß, zum einen, weil sie hübsch ist, und zum anderen, weil sie als einzige tanzt. Hinterher streite ich mich mit dem Gitarrist, welche Gitarrenwand denn nun dicker klingt. Ich bin immer noch der Meinung, denen ihre. Jedenfalls gefällt mir die Musik recht gut, obwohl ich sonst herzlich wenig mit Alternativ-Rock anfangen kann. Aber das mit dem rumstehen und auf die Instrumente starren, finde ich, kann man "ansprechender darbieten". Wie man so schön sagt. Man muß ja nicht direkt rumzappeln, aber entspanntes mitwippen tut doch keinem weh. So, Klugscheißertip ahoi.

CHEFDENKA. Cooles Konzert, was ein Spaß! Ein paar Leute gehen ab, die restlichen gucken entspannt zu, wie das halt so ist. Ich stelle mich mal auf die Box, spiele einen Song (och gottchen, was für eine Überraschung!) auf der Theke, wie immer finden das alle doof und die meisten suchen den Gitarristen auf der Bühne. Und nicht auf der Theke. Komisch. Ich verteile artig Bier an die fleißigen Pogojungens und es macht ganz einfach einen Riesenspaß! Dann die wichtigste Aktion am heutigen Abend. Wir hätten es beinahe vergessen, aber sowas hat der Claus ja im Kopf: Thomas hat heute sein 100. Bühnenjubiläum. Schnell eine Rasierschaumtorte in Auftrag gegeben, und unsere Merch-Lady macht alles klar. Vorm letzten Stück, auf Zeichen, wir dem Thomas gratuliert. Applaus Applaus. Sie geht zu ihm auf die Bühne, als würde sie ihn umarmen wollen, mit der Rasierschaumtorte hinter dem Rücken. Ich könnte schwören, Thomas sieht das. Aber die Sauferei macht so unaufmerksam. Geschieht ihm recht! Zack- hat er die Scheiß Torte in der Fresse! Riesenbrüller. Claus will sofort das letzte Stück spielen, AB. Go. Danach jammert Thomas ein bisschen rum, von wegen es brennt in den Augen. Ah watt! Riecht nur unglaublich frisch, kennt man so gar nicht auf Tour.

Nun gut, Saufgeschichte Nummero hundert Millionen. Die beiden sehr netten Veranstalter schlagen vor, zwei Ecken weiter in ein besetztes Haus zu gehen. Ich würde gerne Matzes Schwester mitnehmen, die kann dann mal ihren Ausweis vorzeigen und fragen, ob nicht einer verhaftet werden möchte. Da stehen die Leute bestimmt unglaublich drauf! Nö, will sie aber nicht und nimmt stattdessen den Matze mit nach Hause. Unsere gesammelte Mannschaft geht rüber, und Frank erkennt stehenden Fußes, daß es genau die Ecke ist, die im Chaostage-Video 95 zu sehen ist. Von wegen Straßenschlacht und so. Drinnen sind allerhand Leute. Ich unterhalte mich mit dem Besucher von eben mit Wizo-Shirt über Gott und die Welt. Am coolsten ist der schwere, farbige, der mit Krawatte (!) hinter der Theke steht, und alle paar Minuten eine "Ordnungsrunde" dreht. Wirklich ziemlich cool. Es gibt Freibier, weil irgendwer Geburtstag hat. Natürlich stilecht Hansa! Wer denn nun feiert, finden wir nicht raus. Aber nette, entspannte Party. Frank brüllt am Kicker ununterbrochen nach dem Krischan, und nach und nach pennen alle ein, also treten wir den Heimweg an.

Gar nicht so einfach. Einer unserer beiden Herbergspapis hat ganz, ganz kräftig upjemaacht. Alleine gehen ist nicht mehr, und stützen lassen will er sich auch nicht. Einer nach dem anderen verliert die Lust, nur Jessie erbarmt sich, und zerrt ihn nach Hause. Da tritt er im Delirium dummerweise noch eine Tür kaputt, und nur die weisen Worte seines Kumpels bringen ihn wieder runter: "Darf ich Dich daran erinnern, daß Du studierter Sozialpädagoge bist?!" Schon klasse, die zwei! Na ja, am nächsten Morgen pennt natürlich der aus, der kräftig uppjemaacht hat, und sein Kumpel und zweiter Herbergspapi muß das Frühstück ganz alleine rankarren. Aber  meine Herren, was für eins! Mehr und noch mehr... irgendwann wurds schon richtig peinlich für uns. Bemerkenswert auch, daß Frank als erster am Tisch saß. Der, der doch so viel jemaacht hat. Nämlich upp! Und die Sängerin von KARMA KOLA, die sich artig noch mal alles durch den Kopf hat gehen lassen, und morgens kaum sprechen konnte, geschweige denn aus den Augen gucken, ist eine Stunde später wieder topfit und das blühende Leben. Sogar wieder mit Farbe im Gesicht. Mann, feier ich das ab! Ich geh um! Vor der Abfahrt werden wir vom Veranstalter noch als "äußerst pflegeleicht" beschimpft, bevor wir einsehen müssen, daß wir auf unsere alten Rockstartage doch tatsächlich nicht mehr so viel kaputt machen können, wie wir gerne möchten. Man wird ja auch nicht jünger...

Hannover, geil, und auch hier: Gerne wieder! Prost!