CHEFDENKER und DANCEHALL SATAN - 10.09.05 Schwäbisch Gmünd, Esperanza

Ja, vor einem guten Jahr waren wir ja schon mal hier, und da wurde Disco´s beschissene (!) Unterhose geklaut, mal sehen ob das heute wieder klappt!

Als Weltreisen-Matzomaten-Schlagzeuger-Ersatz macht sich heute Caddy stark, der sich doch tatsächlich ganz freiwillig zum „scheiß süßen Mirco“ degradiert hat, also ganz von selber seit neuestem eine feste Freundin hat und monogam leben will. Willkommen im Club (schenk Mineralwasser ein, hol n Buch raus, spiel Brettspiele…)! Bringt gut Hornhaut an den Fingern.

Wir fangen ganz offiziell mit unserem CHEFDENKER-Homevideo an und filmen nichts als die Wahrheit: Stundenlang Autobahn, Kippchen an, CD wechseln, jeder ein Bier auf, Thomas direkt fünf Stück, noch mehr Autobahn. Unterwegs halten wir an und filmen ein paar Pferde auf der Weide, und wie wir die füttern, nur der Abwechslung wegen, und um dem „Rock“ in Rock´n´Roll auch ein bisschen gerecht zu werden. Claus würde gerne den Pillemann von so einem Pferd rauskitzeln, ist aber zu feige selbst Hand an zu legen. Der scheiß süße Mirco ruft sogar extra eine Bekannte (Ex-Schere) an, die von Pferden (und vom reiten?!) ziemlich Ahnung hat, und fragt nach, wie wir denn jetzt am besten den riesengroßen Piepmann von dem Pferd zu sehen kriegen… Aber zwecklos, geht irgendwie nicht. Schade aber auch. Aber wieder zwanzig Minuten hochbrisantes Filmmaterial!

Jau, im Esperanza im Schwäbisch Gmünd gibt es lecker Fressen, mit vielleicht eins, zwei Liter zu viel Öl, aber dafür mit viel Liebe gemacht, und die ersten kleinen Schubberts müssen nackt unterm Kicker her kriechen, weil die zu Null verlieren, aber da haben die laut eigenen Worten „kein Problem mit“! Filmmaterial! Ja, und immer schön mit dem nackigen Landjäger wie mit einem Wischmob über den dreckigen Boden, ja, fein! Gut gemacht! Und noch mal! (Nebenbei: Wie oft sollen wir das denn noch erklären? Verlieren heißt unter dem Kicker her kriechen, zu Null bedeutet nackt kriechen, auch Frauen! Keine Diskussion! Spielschulden sind Ehrenschulden!)

Unser Pennplatz für heute ist beim Chris. Der ist 18, hat seine Freundin dabei, und denen ist alles egal. Pennen? Egal. Egal wie viele. Wann? Egal. Müssen wir da bei Dir leise sein, wegen Papi und Mami oder watt? Auch egal. Haste Bier da? Ja. Können wir datt saufen? Egal. Aha! (Wärs denn egal wenn ich ma kurz die Salami in die Turnhalle schmeißen würde?)

Die zweite von drei Bands trifft auch ein, die kommen aus Genf. Tja, die Diskussion entbrennt förmlich: Wo liegt Genf? Also den scheiß süßen Kremer bringt man damit auf die Palme, wenn man die Antwort nicht weiß! Disco und der scheiß süße Mirco schädeln sich ab was das Zeug hält. Beim s.s. Mirco ist das ja gut, weil der sich erstmal seine antrainierte Professionalität wegsaufen muss, aber bei Disco ist das ü-ber-haupt nicht notwendig! Eigentlich. Sieht er aber grad anders, plöpp, Prost.

Jazzy am Merchstand wird hundert Mal gefragt ob der schwäbische Dialekt denn auch wirklich gut zu verstehen ist und sie findet nebenbei heraus, das in „Eine von hundert Mikrowellen“ „Ei und Iro“ und „Ei Hund Iro“ enthalten ist! Unten im Keller ist heimlich quarzen angesagt (!?), ich sitz daneben und trinke Bier, und irgendwann sind wir Proletenpunkrocker CHEFDENKER dran!

Edeldeutschpunk aus der Hauptstadt der Schwulen!

Ja, in dem Räumchen hier dürften so sehr gute hundert Leute sein, womit das Ding auch rappelvoll ist, und nebenbei sind hier locker mal hundert Grad und mehr! Das ist kein Konzertraum, das ist ein Backofen! Ohne das wir auch nur einen Ton gespielt haben. Disco und der scheiß süße Mirco haben sich vorher entschlossen doch komplett nackt zu spielen! Also ziehen die sich aus, stellen sich auf die Bühne, und Energie!

Mein Amp ballert mir die Ohren ab und ich kann nur hoffen dass man da vorne irgendwas versteht außer Krach! Aber wer so was will geht ja auch nicht unbedingt aufn Pankrockkonzecht, wa? Das „Edel“ in Edeldeutschpunk haben wir uns ja nur verdient weil der Thomas immer mit seinem Schwanz winkt und bei Gelegenheit wild in der Gegend rumscheißt!

Ja, Krach, die ersten erlauben sich vorne n bisschen harmlos rumzupogen, alle singen n bisschen mit und ein paar Mädels tanzen, ziemlich geschmeidig. Mehr kann man eigentlich nicht erwarten, weil man bei jedem Schritt Atemnot kriegt, und nach fünf Sekunden bin ich naß geschwitzt bis auf die Knochen, also Alter, leck mich doch am Arsch, macht doch mal einer n Fenster auf! Ey, wie kann der Claus in so einer scheiß Hitze denn noch so brüllen ohne Tot umzufallen, bitte?

Nach ein paar Stücken interessiert das aber keinen mehr, vorne tobt ein perfekter Pogopit, so richtig mit lustigem Geschubse, Geschrei und besoffenem Getorkel, aber alles super herzlich und friedlich, kaum mal einer der in Richtung Claus´ Mikro fällt, sondern immer artig daneben, sieht immer witzig aus, und gegenseitig hilft man sich schön brav auf, um sich sofort wieder umzuschmeißen! Ich könnt mich ja wegschreien: Hilf auf, schubs, wieder auffer Fresse, und von vorne. Also die haben hier Pank ma richtig verstanden!

Als Anerkennung für s.s.-Mirco´s und Disco´s nackte Landjäger ziehen auch n paar Typen da beim rumhüpfen blank, geilomat! Claus erzählt in seinen Ansagen von Disco´s geklauter Unterhose letztes Jahr, und prompt fühlen sich ein paar Leute dazu berufen die unbewacht neben der Bühne rum liegenden Unterhosen an der Wand fest zu tackern! Da fällt Dir echt nix mehr zu ein!

Davon kriegen wir aber in dem Moment nicht viel mit, weil hier mittlerweile eine richtig geile, ausgelassene Party läuft, mit Bier über den Gesichtern der Leute und die der Band, und eine Lady zeigt mir ununterbrochen ihren Charakter, weigert sich aber sich auszuziehen, schade aber auch, aber dafür nimmt sie auf s.s.-Mircos Schoß Platz, während er weiterspielt, und vom scheiß süßen Kremer Bier in den Mund gekippt kriegt! Also seine WOHLSTANDSKINDER-Bandkollegen wären wahrscheinlich total beeindruckt, wenn sie ihren Schlagzeuger so sehen würden, wie er grade seine ganze professionelle Routine und Erfahrenheit ausspielt, und sich als Musiker ganz auf sein Instrument konzentriert, und sich nicht von der Euphorie des Publikums anstecken lässt: Besoffen, nackt und mit ner Lady auf den Knien!

Wenigstens spielt er noch dabei! Ich gehe also mal rüber zu Disco, der mehr mit Kippchen drehen beschäftigt ist als mit sonst was, und der hält den Bass zwar noch fest, probiert sich auch schon mal an dem ein oder anderen Tönchen, hält den Bass aber in der Hauptsache meistens nur noch hoch. Hm. Das wäre dann wohl „Punk“ in Punkrock.

Scheint den meisten hier aber zum Glück egal zu sein, denn die brüllen sich glücklich, und einer bringt sogar Jägermeister auf die Bühne, geil, danke! Ich kriege mittlerweile keine Luft mehr, versuche mich auch gar nicht mehr zu bewegen, und ich kann echt nicht verstehen wie die Leute da vor uns so eine Kondition an den Tag legen können! Haben die etwa nicht genug gesoffen oder was? Oder vielleicht schon zu viel um das zu merken? Aber man kann ja gar nicht zu viel trinken. Ach watt, da wird ich ja bekloppt wenn ich drüber nachdenk, super Party hier, Filmriss darf da zum Dank nicht fehlen, da spiele ich ausnahmsweise mal nicht mit und sauf nur, aber echt nur um die gar nicht so leicht zu verstehende Aussage von dem Stück zu unterstreichen. Ey, muss an der Hitze liegen: Kaum guckt man die kleinen Biester an, hat man die auch schon ausgetrunken!

Naja, hinterher kommt der Chor vom Punkrockkavalier saulaut, supergeil, und als spontane Zugabe gibt es noch Höllenfeuerlicht, mit Finish auf dem Boden kriechend, Claus leckt meinen Gitarrenhals ab, und der s.s.-Mirco steht nackt hinter uns und dreht seinen Stick in den Fingern! Rockshow! Von Sebastian Bach bis hin zu Tommy Lee wären aber alle aber sowas von neidisch und beeindruckt! Und jetzt noch kurz meinen Amp zu Gemüse treten, dann hätten wir alles richtig gemacht, aber Claus hält mich zurück, hält er für ne scheiß Idee, kommt bestimmt vom nicht-saufen! Egal, sauber abgeräumt, abbauen, saufen, und wir werden als die Letzten da rausgeschubst! Also ehrlich, da legen wir die Gott-Rockshow des Jahres vor voller Hütte hin und dürfen am Schluss nicht mal kurz die Flasche Jägermeister leer machen (wir übrigens hinter der Theke und der Personal genervt am Ausgang). Aber das ist auch schon der einzige Nachteil hier, denn während dem Konzert haben die Jungs hier richtig amtlich Bühnenaufpasser gespielt, Respekt! Allerdings verliere ich schon wieder meinen Pulli, kacke! Wieder ein Konzert, wieder ein Kleidungsstück. Dafür kriegen wir den BH von der Lady geschenkt, Danke! So gehört sich das!

Auf zum 18-jährigen Chris, der auch irgendwie den direkten Weg zu sich nach Hause nicht mehr soo fehlerfrei hinkriegt, aber Claus als Fahrer und einzig Nüchterner übt sich wieder mal in einer Engelsgeduld, während der Bus – wie üblich – lustig von einer Horde Besoffener unsicher gemacht wird, die sich dann auch hinterher beim Chris benehmen wie die Kleinkinder, paar Bier trinken, um sich dann komplett ins Säuglingsalter zurück zu entwickeln. Mann, watt muss der sich denken? Da kommen Typen die mehr als ne Dekade älter sind als er und feiern jeden Furz ab als wärs der Letzte!

Morgens kommt Chris´ Schwester (schwäbisch: Schweschta) aus ihrem Urlaub wieder und sieht ein paar Leichen rumliegen: Disco nackt und geschminkt neben einer leicht bekleideten Lönsen und ein paar ekelhaft muffelnden Halbtoten, und ich in ihrem Bett, stinkend und von Fliegen umkreist! Morgen! Egal, dann gibt’s ein super Frühstück, wir sehen noch kurz den Papi mit sauamtlichen Style (Turnhose, Minipli und Schnubbi!!), und schon geht’s zur CHEFDENKER-Freizeit: Das Maisfeld-Labyrinth! Da haben echt n paar Leute aufm Dorf in ein Maisfeld ein gefährliches Labyrinth gebastelt, wo man allerhand erleben kann! Für nur 2 Euro 50 freiwilligen Unkostenbeitrage! Dafür kann man es nicht selber machen! Da gibt es zum Beispiel Familien mit Kindern, die das hier gerne und öfters machen, und einen strammen Graf Disco wie er da auf so eine Bank scheißt! Dokumentiert mit Ton und in Farbe fürs CHEFDENKER-Homevideo!

Ab nach Hause, zum letzten Mal Kram in unseren wunderschön versifften und schimmligen Pankproberaum räumen, denn ab demnächst machen wir woanders Kölschrockproben, so mit erwachsen tun und aufräumen und so, haben ja jetzt fast alle Freundinnen, sprich Bausparverträge, und Disco hat sogar seine Unterhose wieder mit nach Hause bräächt! Zwar durchlöchert wie ein Schweizer Käse, aber immerhin muss er sich nicht scheiß süßer Thommy schimpfen lassen! Prost! DER SCHEISS SÜSSE DOMINIK 09/05