Overath! Zweite Heimat! Hier haben wir schon mal uppjemacht! Mehr als
einmal, und nicht grade zu knapp.
Thomas nimmt das sofort als Anlass umgehend wieder damit anzufangen,
weilerjescheitis, und das Ojo füllt sich recht angenehm mit großteils
unbekannten Gesichtern. Eigentlich kennt man hier doch jeden, na egal.
Der Zipper zaubert einen schönen Sound aufs Tablett und schon dürfen die
Obergötter von STRANDGUT ihre Dorfpankanarchie dem geneigten Zuhörer um
die Ohren hauen, was mit einer wieder mal grandiosen, neuen Frisur vom
Sänger/Gitarristen Gunnar natürlich doppelt geschmeidig rüberkommt.
Daniel, der Schlagzeuger, will aber nicht hintendranstehen und hat sich
mit eineinhalb Dosen Haarspray wunderschöne Stacheln gezimmert, fein
gemacht!
Arne, die Bandschönheit, sitzt artig auf einem Hocker auf der Bühne und
sieht ein weiteres Mal einfach nur schön aus, ganz im Gegensatz zum
Kette rauchenden Basser Hagen, und so tobt der Pogomob zu Hits wie
"Sportler sind scheiße" und "Ich liebe die fetten Mädchen aus der
Fischbräterei Oi Oi Fischgeruch", und eine fröhliche Rumrotzerei
bricht los. Ausgezeichnet! Ausgezeichnet ekelhaft unter anderem. Die
Bandnutte von denen hat sich faustgroß das Totenkopflogo auf den
Oberschenkel tätowieren lassen, sieht schweinegeil aus, weshalb er das
auch anständigerweise offenherzig präsentiert, und am Schluss dürfen
noch einige Leute ausm Publikum auf der Bühne was mit singen, aber am
coolsten finde ich den kleinen Jungen mit CHEFDENKER-Shirt, der
textsicher STRANDGUT-Songs ins Mikro quäkt, saugeil!
Danach sind die netten Junx von MASSENDEFEKT dran dem wütenden Pogomob
Futter zu bieten, und alle Achtung, die braten auch schön artig nach
vorne, und die Leute da im Publikum unter anderem mit den
SCHLEIMKEIM-Shirts gehen nicht gerade sehr zimperlich miteinander um.
Tja, die halten das Punkrock-Fähnchen ganz weit hoch in den Wind, Hut
ab.
Dann wir herzzerreißenden DIE DEUTSCHEN BRITNEY SPEARS. Erstmal zeige
ich meine Gitarre rum, damit jeder schon mal im Bilde ist, dass der
geilste Typ heute Abend (ich!) auch die geilste Gitarre hat (meine!).
Alle sind beeindruckt. Claus hat sich die Haare in Öl eingelegt,
sauschick, und wir starten ganz spontan (weil Pank ist ja laut CONTRA D
pschpontan!) mit dem LILI-Opener "L-I-L-I", allerdings buchstabieren
wir dabei das Wort CHEFDENKER, was natürlich in bisschen mehr Zeit in
Anspruch nimmt, aber dafür machen alle auch artig mit, und manch einer
kann sich danach auch vielleicht schon in etwa ausmalen, wie die Band
denn jetzt nun heißt, die da auf der Bühne steht. Aber
sicherheitshalber haben wir auch noch unser Banner aufgehängt, man hat
ja heutzutage so schnell mal was vergessen.
So, da haben wir uns aber mal wieder witzig gefunden, ha ha, jetzt haben
wir alle herzlich gelacht, jetzt können wir anfangen, und tatsächlich
vom ersten Ton an herrscht schön ausgelassenes Rumgeschubse, auch wenn
wir von der Bühne aus die meiste Zeit nur das grelle Licht von den
Scheinwerfern sehen. Aber zum Glück ist der STRANDGUT-Hagen noch nicht
von seinem Anrotz-Trip runter und spuckt mir einen dicken Eiterklumpen
aus der Tiefe seiner Raucherlunge ins Auge. Toll! Jetzt weiß ich
wenigstens, dass da noch einer im Publikum stehen muss, schönen Dank.
Ey, wie kann denn bitteschön so ein bisschen Rotze so verdammt
erbärmlich stinken? Echt nicht schlecht, Herr Specht.
Rein spielerisch bieten wir heute Abend wieder ganz grandiosen
F-Jugend-Fußball und bleiben damit unserem Konzept einer Schülerband
treu wie eh und je, aber ist ja live, interessiert ja kein Schwein, und
der ein oder andere lässt sich auch nicht lumpen und hüpft lustig von
der Bühne auf die Ärmchen der Anwesenden, nur manchmal haben die Leute
keinen Bock, machen einen Schritt zur Seite und zack landet wer auf der
Fresse. Aua!
Naja, jedenfalls spielen wir heute auch sieben Stücke von der neuen
Platte EINE VON HUNDERT MIKROWELLEN (Werbung! Ekelhaft!), die wir Ende
des Monats aufnehmen. Und dafür, dass die Stücke noch kein Schwein
kennt, kommen die sogar recht gut an, und vor allem die Tanzladys
finden es gut sich dazu bewegen zu können. Also mehr so von wegen
richtig tanzen, und halt nicht von wegen torkeln und rumtreten.
Nebenbei wird natürlich wieder übertrieben viel Posing geboten, damit
man auch schön viel zu lachen hat, wenn sich da einer aufregt von wegen
scheiß Poser book book watt soll denn datt book book.
Jedenfalls gibt es hier Bandbier für uns nur auf der Bühne während dem
Konzert, das heißt, in den Songpausen müssen wir uns ranhalten, ächz,
harter Job und kein Zuckerschlecken, und sogar der grade erst wieder
gesundete Matzomator hält sich mehr als tapfer, und nebenbei muss mich
der Overath-Rockcity-Nachwuchs daran erinnern, dass der Fuß doch
gefälligst auf die Monitorbox gehört. Ja, richtig so, schön. Allerdings
raufklettern auf die Dinger geht nicht, weil die immer wegrutschen,
scheiße.
Aber alles saugeil, alles im Lack, Riesenspaß, und vor allem das scheiß
Stück mit dem scheiß Schneewalzer drin kommt wie immer riesig an. Keine
Ahnung warum.
Ja, Konzert zu Ende, ich KAUFE mir noch feierlich Bier, weil ich ja
ohnehin dafür bin, das wir für Konzerte bezahlen sollten, dass wir die
spielen dürfen, und im allgemeinen Zugelöte dauert die Einladerei von
unserem Kram in den Bus natürlich dreißig Jahre, und weil die Ojo-Party
heute mal nicht mehr so viel kann, wie man das sonst so gewohnt ist,
fahren wir wieder alle mit nach Köln, nur Thomas verpeilt die Abfahrt
und muss sich die Nacht, bis die erste Bahn fährt, in Overath um die
Ohren schlagen. Matze geht in die Haia sich auskurieren, Frank, ich und Caddy löten uns
noch einen ins Blech. Na, wer kann sich
denken warum?
Jedenfalls habe ich noch Glück, dass mir der mächtige Klitsch morgens
die Türe aufmacht und ins Haiabettchen schleift. Prost.