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CHEFDENKER und SKUNKS - 15.09.2007 Wiesbaden, Kulturpalast
Hier horcht jeder auf, der jemals Landeshauptstädte im Geographie-Unterricht auswendig runter rattern können gemußt wurde. Denn das war die Falle. Wie hieß noch die Landeshauptstadt von Hessen? Frankfurt am Main natürlich................nicht. Nein, nein, keine Punkte für diese Runde. Wiesbaden heißt die nämlich, und das ist auch gut so. Denn mal ehrlich, was sind die Dinge, für die Frankfurt bekannt ist? Deutsche Bank, Drogenkonsum und die Döhsen Onkelz. Mit soviel Klischee und schlechter Reputation behaftet kann man nicht Landeshauptstadt werden. Da bedienten sich die Landesväter eher einer etwas beschaulicheren Hessen-Metropole quasi ziemlich nebenan, die auf den unverfänglichen Namen "Wiesbaden" hört, dadurch fast wie ein Kurort klingt und es darüber hinaus gerade mal zum Sitz des Statistischen Bundesamtes gebracht hat. Und da mussten wir hin.
Heute musste ich zu allem Überfluss hinterher fahren, da auf meiner Arbeitsstelle das wichtigste Gebot "Du sollst nicht Samstags arbeiten" durch ein munteres Sommerfest mir nichts, Dir nichts außer Kraft gesetzt wurde. Also Feierabend, ab in den schneidigen PKW und nichts wie den anderen Gehirnzellen hinterher reisen. Ich sag Euch was: die A3 kann, wenn man sie so alleine fahren muss, extrem lang und auch weilig sein. Selbst wenn es nur schlappe 160 kmchen sind. Im Ortskern angekommen ging das Spiel los. Es hieß "Ungenaue Wegbeschreibung versus aktueller Stand der Stadtplanung". Natürlich gibt es Navigationssysteme, aber nicht in meinem Auto. Das wäre ungefähr so, als würde man einen Mercedes-Stern auf ein Kett-Car kleben. Nein. Der Kartenausdruck lag auf meinem Schoß und das Verkehrsgewusel um Wiesbaden-Mitte vor mir. Ein riskanter Ritt. Die laut geführten Selbstgespräche kennt jeder Autofahrer. Die Sicherheit der Fahrgastzelle manifestiert sich in Mut und Kraft der gewählten Sätze: "Am Bahnhof links? Die spinnen doch! Links ist doch der Bahnhof, wieso muss ich dann links? Und warum willst Du jetzt gerade hier Parken, Du Vollidiot? Ups, die Drecks-Ampel war rot. Mal eben auf die Karte und...hatte der echt Vorfahrt? Scheiße, wieso ist das hier ne Einbahnstraße? Neeeeeeee, jetzt bin ich ja wieder auf dem Weg zurück zur Autobahn....und wo kann ich jetzt drehen? So eine Scheiße. Ich werd weich!" und so weiter und so weiter.
Irgendwann hatte ich die richtige Straße gefunden, aber noch lange nicht Laden oder Parkplatz. Ich muss mich schon verdammt dämlich angestellt haben, denn ich bin 3 mal ums Karree gefahren bevor ich den Laden ein mal gesehen habe. Oder vielmehr die Einfahrt, die aber auch nicht wirklich gut auf sich aufmerksam gemacht hat. Und dann stand da auch noch ein Auto vor. Dolle Sache. Die Parkplatzsuche gestaltete sich als muntere Reise nach Jerusalem, mit dem Unterschied, dass man 50 Teilnehmer und 2 Stühle hat und das Signal zum Setzen der Blinker des Ausparkers ist. Wenigstens war der Chefdenkerbus gut angekommen und stand im Innenhof des Clubs. Kurz hinter Köln fand ich dann auch noch einen Parkplatz.
Der Kulturpalast liegt wirklich hinter einer unscheinbaren Durchfahrt mitten im Pudding von Wiesbaden. Gar nicht so weit von der weltberühmten Heilwasserquelle. Wie´s baden? Gesund. Aha, daher der Name. Als ich so wie ein tibetanischer Mönch zum Ashram die 2.438 Stufen zum Eingang hochstieg, hatte ich schon Mitleid mit den Jungs, die die Backline hier hoch schleppen mussten. Völlig zu unrecht, wie sich im Nachhinein herausstellte, denn es gab einen Lastenaufzug. Da hatte offensichtlich jemand mitgedacht. Im neonbeleuchteten Backstageraum stieß ich auf den Rest der Denker (zur Verstärkung waren diesmal Krischan, Uwe und Janina mitgereist) und kassierte erst mal ein: "War ja klar, kommst genau richtig zum Essen". Brillantes Zeitmanagement. Soweit ich mich erinnere gab es Chilli Marke "Höllenfeuerstuhl in the morning" mit Beilage.
Ich konnte mich des Gedankens nicht erwehren, dass etwas komische Stimmung in der Luft lag. Oder war es im Endeffekt gar keine? Hierfür gab es eigentlich keinen Grund, denn alles war gut und das Konzert so gar ausverkauft. Wir konnten sogar den Mischer Uwe im Voraus bezahlen, das übernahm diesmal Matze. Es bleibt allein Eurer Phantasie überlassen, wie man einen Mischer ohne Geld vor dem Konzert bezahlt, aber ich gebe mal die Stichworte: Brokeback Mountain, Yeeeehaa!, Backstage-Raum. Live-Action-Cock-Rock-Show fürs etwas irritierte Personal. Der zweite riskante Ritt des Tages. Aber war ja alles nur Spaß. Wie würde Ex-Präsi Mr. Clinton sagen? „I did not inhale…“.
Dann begann die Vorband den Konzertreigen. Verdammt, ich hab immer ein schlechtes Gewissen, aber es kann einem nicht jede Band gefallen. Die Musik war für mich schwer einzuordnen, irgendwo zwischen Metal, Screamo, Emo und deutschen Texten, nicht besonders eingängig, wenn auch handwerklich okay. Wie gesagt, nix für mich - mir ist nicht mal der Name hängengeblieben. Matze weiß den bestimmt noch. Tut mir leid, Jungs. Bin eben ein alter intoleranter Sack ohne Ahnung von Musik. Ich meine, wir haben für den Tourbus jetzt zwei Blümchen-CDs angeschafft. Das erklärt doch wohl alles.
Für unseren Auftritt hatte sich Janina etwas besonders Teuflisches einfallen lassen. Da jeder, der mitfährt zumindest eine Aufgabe zu erledigen hat, übernahm sie das handschriftliche Kopieren der Setlist. Fein, leserlich und mit kleinen Motiven versehen, bekamen wir jeder eine Liste zugeschoben. Das da nicht immer die gleichen Lieder auf der Setliste standen, bzw. nicht gleich viele war der Autorin scheinbar entgangen und wir merkten es erst als es zu spät war. Aber, liebe Janina, wenn Du meinst, Du wärst jetzt raus aus der Nummer mit Aufgabe erledigen....dann sei Dir gesagt: bei den Chefdenker übt jeder solange bis er es kann! Mit so einem billigen Trick kommst Du aus der Nummer nicht raus! Und wenn wir alle 4 ein unterschiedliches Lied anfangen. Glaube mir, dass können wir auch ohne falsche Setlisten. Wir üben nämlich auch noch!
Ansonsten war es ein richtig schönes Konzert, mit ausgelassener Stimmung und viel Mitgesang aus dem Publikum. So muss es sein! Genau so, und nicht anders. Wiesbaden hat gerockt und gerollt und wir verliessen erst nach diversen Zugaben die Bühne. Thomas hatte sich schon während des Konzerts für das Baden in der Heilquelle entkleidet und war gerade auf dem Weg, als sich zwei fassungslose junge Männer aus offensichtlich südlicheren Gefilde mit dem handy vor ihn stellte und nur noch stammelten: "Aldääää, zieh diä des rein. Voll krass ey, aldäää, scheise, musisch foto machen mit main händi, aldäää, komm surück". Komische junge Männer sind das, die andere junge Männer nackt fotografieren wollen. Was soll man sagen....unser Thomas verdreht mit seiner Show nicht nur Mädchen die Köpfe. Chefdenker: Metrosexuell und gendergeprüft!
Nach dem Konzert verlor sich alles etwas in Einzelgespräche und einer nach dem anderen sehnte sich zurück zum Dom. So machte auch ich irgendwann die Biege. Im Bus scheint nichts spannendes mehr passiert zu sein, zumindest habe ich keine Klagen gehört. Ich machte für mich dann noch "bitte recht freundlich bei 190" (naja, so schnell kann mein Auto gar nicht) ein völlig überteuertes Erinnerungfoto am Kreuz Heumar und wenn alles seinen Gang geht bin ich dann erst mal aus der Fahrernummer raus.
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