| CHEFDENKER und DER RAKETENHUND - 15.11.2003 Nexus, Braunschweig
Morgens wachen wir auf, noch ein bisschen fertig vom oopmachn in Trier letzte Nacht und fahren einige, geschmeidige Stunden nach Braunschweig. Exkurs: Genau damals an meinen Geburtstag haben die mächtigen SODOM in "Braunschweich" für Tele 5 ein Wahnsinns Live-Video aufgenommen, wo Tom Angelripper nicht nur eine Top über-Ohr-Länge-Asi-Frisur hatte, sondern auch noch so stramm war, daß er andauernd das Pick verloren hat. Na gut, er hat auch Scheiße gespielt, aber das kann er ja auch nüchtern. Das Video habe ich zu Hause und feier das regelmäßig mit dem Frank ab. Jedenfalls hat der Drummer - Chris Witchhunter (!) - das dämlichste Schlagzeugsolo gebracht, daß man überhaupt bringen kann, von wegen: Piff, paff. Jubel, feier. Paff, Puff, Puff. Feier weiter... Und der Gitarrist - Frank Blackfire (!) - bringt im feinsten Ruhrpottdialekt eine einzige Ansage, die da geht: "Lautaa, lautaa, lautaa...". Kann ALLES! Gemischt hat das übrigens der mächtige Rautenbach, der auch schon den Scorpions und anderen kleinen Bands zu Gold und Platin verholfen hat. Der wohnt hier um die Ecke und kriegt vom Frank immer seine Karre repariert. Die golden Schallplatten hat er sich übrigens in die gammlige Garage gehängt!! ...ein kleiner Gott! Exkurs ENDE!
Die Fahrerei kann zwar annerven, aber politisch unkorrekte Tittenzeitungen, die Bravo und im Radio die DREI BESOFFSKIS vertreiben einem doch gut die Zeit. Im Nexus angekommen stellt sich raus, daß das ein alternatives und unabhängiges Haus ist, das gerade noch Baustelle ist. Claus findet das gut, Matze nicht. Wir stellen also alles um die Baustelle herum auf. Disco hinten auf einem Tisch hinter dem Schlagzeug, und ich positioniere mich auf einem Gerüst. Mal was anderes. Zwar ist es schweinekalt, aber
Gerald, unser Kindermädchen für heute, versorgt uns mit allem was wir brauchen. Außer natürlich wieder Groupies!
Der Drummer von RAKETENHUND hat leider die Scheißerei (Info offiziell vom Gitarrist genehmigt!) und kann deshalb nicht kommen. Trotzdem stellen die Jungs und die Bassistin die Anlage (Danke!). Dann entschließen sie sich, die Schlagzeugspur vom Band laufen zu lassen, und dazu zu spielen. 75 zahlende Gäste treffen ein, was ich abfeier! Denn das ist schon eine ziemlich coole Anzahl von Zuschauern, die kommen, um sich eine flammneue Band vom Arsch der Welt anzusehen! Aber erst RAKETENHUND, go! Im Hintergrund laufen irgendwelche Dias, und die Einsätze passen nicht immer so ganz, wegen der Schlagzeugspur, die von der CD kommt. Aber man bekommt einen guten Eindruck von der Musik. Die bewegt sich so im punkigen Bereich, mit alternativem Einschlag. Mit richtigem Schlagzeugsound rockt das wahrscheinlich recht gut nach vorne. Der Gitarrist ist hinterher recht zufrieden, weil er es so besser fand als gar nich zu spielen. Die Bassistin scheint nicht sehr zufrieden zu sein. Dann wir CHEFDENKERCHEN. Als Einstieg entschließen wir uns, das ich zum Anfang von "16 Ventile" die lange Treppe an der Seite herunterkomme und ewig lange Soli spiele. Nun gut, ich gehe hoch. Da steht man vor dem Scheißhaus. Ich unterhalte mich mit einem fremden Typen, der dann pissen geht. Unten kündigt der Claus an, daß ich gleich herunterkomme. Die Jungs fangen an zu spielen, und der fremde Typ kommt vom Scheißhaus und geht die Treppe runter. Ich bleibe noch oben stehen. Unten glauben die Leute, er sei der Gitarrist, und jubeln ihm zu und applaudieren und pfeifen. Und der Typ rafft die Welt nicht mehr. Sauwitzig! Der kommt vom pissen und wird abgefeiert. Nun gut, herzlich gelacht, ab runter und Solo. Kaum unten angekommen - reißt ne Saite. Aaaaaaaah Scheißäääää! Da wollte ich gerade einen auf dicke Hose machen, war ja klar. Gitarre wechseln, ab aufs Gerüst und los. Oben höre ich nichts vom Sound da unten und spiele nach Gewohnheit. Außerdem wackelt das Scheiß-Gerüst wie Seuche und unten sitzt noch ein Typ, der die ganze Zeit am Gerüst rumrüttelt und sich dabei belacht. Ich weiß nicht, ob ich lachen, weinen oder auf die Fresse fliegen soll. Claus und Matze haben keine Erhöhung und stehen auf gleicher Höhe wie das Publikum, welches allerdings vier Meter weit weg steht und mitwippt. Ein einzelner, mit sich selbst pogender Typ haut dem Claus aber immer wieder mit Absicht den Mikroständer in die Fresse und macht dabei noch geschmeidig die Gitarre kaputt. Beim vierten mal reicht es dann auch und wir brechen ab und Matze und ich erklären ihm mal kurz die Lage. Dann geht es ohne so einen Unfug weiter. Riesenspaß, nette Leute, hübsche Damen. Hinterher kaufen einige Leute dem Matze am Merch-Stand alles ab, was noch irgendwie verfügbar ist. T-Shirts: Größe egal, Farbe egal, her damit. Cool! Ganz kurz: Kriegt man auch alles über die Homepage: CDs, LPs, Buttons, T-Shirts (Zum Chefshop). Dann wieder abbauen. Währenddessen gehen die meisten. Schade. Wir aber tun eins: Oopmachn oopmachn oopmachn. Ah, lecker, Prost. Ich lern den netten Phillip, den Gerüstewackler noch kennen, der mir versichert, nur gewackelt zu haben, wenn es mich nicht besonders gestört hat. Außerdem ist er der Meinung, daß ich das als Punkrock-Gitarrist ab können muß. Recht hat er! Auch er ist der Meinung, das so alberne Mikro-Umschubserei sinnlos ist, auch wenn der Schubser sein Freund ist.
Nun gut, der letzte Rest säuft noch prima. Gespräche über Bernd Brot. Claus kann es nicht mehr ertragen und geht pennen. Wir gehen ab zum
Gerald in eine geile Punkrock-Hütte mit super Pennplätzen und feiern noch seine D-Punk-Sammlung ab. Genuch zum oopmachn ist auch da. Matze und Disco haben sich ihre Nachtruhe redlich verdient, aber
Gerald und ich entschließen uns dazu, den morgigen Tag komplett wegzuschmeißen und uns in der Stadt ganz kräftig einen ins Blech zu löten. Dummerweise vergessen wir beim rausgehen, daß die Knochenfabrik auf Repeat läuft. Und nicht gerade leise. Huppala, schlecht für die Nachtruhe. Wir tapern in die Stadt in eine kleine Metalkneipe, versaufen unser letztes Geld, er pennt ein, ich feier mich und das CHEFDENKER-Plakat ab und später rennen wir in der Stadt rum und kommen wieder zurück. Warum weiß ich auch nicht mehr. Dann kotzt
Gerald lässig angekündigt und absolut geschmeidig in der Gegend rum, rennt mit mir in die falsche Richtung und zeigt mir noch gekonnt die Fickmeile von Braunschweig. Zum Glück hatte ich nicht die Bandkasse dabei, ich hätte mich an Durchgefallenen totgezahlt. Jedenfalls sitzen die freudigen Damen absolut stilecht hinter Glasscheiben in interessanten Outfits. Kann einiges. Zurück in
Geralds Wohnung sind wir zu blöd um uns ins Bett zu legen. Ich penne auf der Couch unter der heutigen Zeitung,
Gerald pennt direkt im sitzen. Na ja, heute Abend sind wir ja zum Glück wieder in der Heimat, wo die Wohlstandskinder ihr letztes Konzert der Tour spielen, und da heißt es endlich wieder: Oopmachn oopmachn oopmachn! Hatten wir ja jetzt so selten.
Prost. |