Eine neue Platte ist wie ein neues Leben! "Eine von hundert Mikrowellen"
ist gerade taufrisch aus dem Presswerk gekackt worden, und mit neuen
T-Shirts und Plakaten, und mit Christbaumkugeln und Glühwein bewaffnet
fressen wir uns erstmal beim Veranstalter Jan in seiner gepflegten
Hütte die Bäuche voll. Perfekt!
Das kleine Konzerträumchen ist mit 120 Leuten verflucht schnell
rappelvoll und die erste Band legt mit ihrem saucoolen, verrotzten
Stonerkram los, wo nicht zuletzt die geschmeidigen Gehhülsen vom
Schlagzeuger, in Verbindung mit seinen Tattoos und seinem
MOTÖRHEAD-Shirt einfach alles können!
Obwohl der Spaß hier nur läppsche drei Euros kostet wollen zwei
hervorragende Nachwuchsasseln mit den üblich anständigen
SLIME-Aufnähern und Nietenjacken nicht zahlen. Der eine sagt noch er
hat kein Geld und möchte umsonst rein. Nein. Eine Minute später kommt
er mit einem erbärmlich nachgemachten Stempel an. Da packste dir doch
an n Kopp! Wieder eine Minute später kommt er an und hat die Kapuze
übern Kopf gezogen und versucht unbemerkt rein zu schleichen. Selten so
gelacht. Aber ansonsten ein geiles Publikum hier: So stinknormale Leute
halt, ein paar Skatertypen und einige Ladys, da kann man nicht meckern!
Jau, dann wir, im Publikum sind alle herrlich stramm und ich stelle mich
aus Platzmangel direkt auf die Theke, und von hier oben habe ich einen
hervorragenden Ausblick wie der Claus die ganze Zeit sein Mikro in die
Fresse kriegt, weil die pogenden Typen es sogar schaffen die Gesangsbox
umzuschmeißen, hinter die sich der Claus in Sicherheit gebracht hat.
Ein Typ versucht die ganze Zeit dem Thomas beim spielen irgendwas zu
erzählen. Thomas nickt mal nett, aber in dem Krach hier versteht man ja
natürlich sein eigenes Wort nicht. Naja. Brütend heiß hier in der
Hütte, geile Stimmung, Grölchöre, Pogo, Bier spratzt, einfach nur total
geil, ein Tourauftakt nach Maß! Thomas muss sich beim spielen auf die
Gitarrenbox aufpassen, das die nicht umgeschmissen wird, Matze spielt
im stehen, Claus rennt praktisch dauernd seinem scheiß Mikro hinterher
und nur ich markiere hier oben den König. Herrlich! Der Nachteil hier
oben auf der Theke ist nur das ich mich gar nicht höre, und nur auf gut
Dünken spielen ist schon n bisschen komisch, aber mein Gott.
Und nebenbei schreien ein paar Typen ".sind wir nicht alle n bisschen
Schubbert, sind wir nicht alle asozial.". Was? Bitte? Ich glaube es ja
nicht, der Schubbert hat Fans in Landau! Unfassbar!
Jedenfalls kommen die neuen Stücke gut an, zum Glück, und beim scheiß
Schneewalzer schunkeln wieder alle glücklich Arm in Arm, und bei "16
Ventile in Gold" bricht die Hölle los! Leck mich am Arsch, macht das
einen Spaß hier!
Bei den langsamen Stücken freuen sich die Damen ein bisschen tanzen zu
können weil die Pogotypen derweil saufen und Thomas hat die göttliche
Idee doch gefälligst n Schnäpperken zu ordern, den wir auch sofort
kriegen und, wer hätte es geglaubt, umgehend reinfegen. Watt lecker!
Am Ende bringt ein stockstrammer Typ noch einen Klops indem er an der
Theke ein Bier bestellen will, und dabei gar nicht bemerkt das er
gerade das Mikro plus Claus zur Seite schiebt, wohlgemerkt während dem
Spielen. Das wäre wieder ein Bild für die Götter für ein
CHEFDENKER-Homevideo, das würde SPINAL TAP aber locker hinter sich
lassen!
Naja, alles sehr geschmeidig, super Party, alles friedlich, und am Ende
trommelt ein liebevoller Papi seine zwei fertigen Schlabberiro-Söhne
zusammen und bringt die artig nach Hause in die Haja. Der arme Papa,
musste sich das ganze Spektakel mit antun und hübsch warten bis die
Sohnemänner sich brack gesoffen haben.
Claus unterhält sich noch nett, oder eher gesagt er kriegt eine
Lebensgeschichte von einer jungen Dame ins Ohr getextet, aber echt nur
ganz wenige Stunden. Derweil kriegt Jazzy am Merchstand die T-Shirts
förmlich aus der Hand gerissen, perfektomat! Muss wohl am
Umsonst-Glühwein liegen, zur Einstimmung auf Weihnachten.
So, ab zum Jan, Feierabendbier, Matze macht daraus ein paar mehr und
während sich schon alle abgelegt haben feiert Matze artig mit sich
selber weiter und begattet schön der Reihe nach erst mich und dann den
Thomas, von dem er sich fast noch eine fängt, weil der nicht in Ruhe
pennen kann.
Geschichte am Rande: Unser Fahrer, der mächtige Dr. Frank Kremer, muss
dieses Wochenende zu Hause bleiben weil er Aua am Arsch hat. Aber
netterweise hat er der Jazzy seinen Schlafsack mitgegeben. Sie packt
den also aus, und was sieht sie? Einen ekelhaft versifften Stofffetzen
mit dekorativen Ölflecken versehen. Geil, danke.
So, Frühstück macht der Jan auch noch klar, also geschmeidiger geht es
ja kaum noch: Alles stressfrei, geiles Konzert, super Publikum,
anständig organisiert, ein nüchterner und saunetter Veranstalter,
gepflegt saufen, fressen und pennen! Geil! Na dann tschööjj bis
demnäxt, auf nach Ulm. Prost.