CHEFDENKER, PASCOW, THE DAMAGERS, SKAFIELD und THE THIRD TRIAL - Nitro Festival - 20.11.2004 Mehrzweckhalle, Urexweiler

Drei Stunden nach Urexweiler, die Weltmetropole, die auf keiner Karte aufgeführt ist, und das obwohl im Kaff nebenan mit Namen Alsweiler die Marienerscheinung war, und die Leute mit Reisebussen angekarrt werden mussten, weil keiner das Spektakel verpassen wollte. Aber irgendwann wurden die Müllberge dann so groß, da hatte die Erscheinung ein Einsehen und erscheint jetzt woanders.

PASCOW haben heute hier in Urexweiler ihr CD-Release-Konzert und haben sich dafür noch vier weitere Bands in die Mehrzweckhalle eingeladen, die dann auch tatsächlich mit 450 Leuten ausverkauft ist. Leckomat!

THE THIRD TRIAL legen los, heute krankheitsbedingt nur mit einer Gitarre, das tut dem geilen Riffing aber keinerlei Abbruch, auch wenn die Gitarre unterm Hals hängt, was ja bekanntlich so gar nicht geht! Aber vor allem die Show vom Sänger, der sich beim singen und schreien einen Finger der freien Hand immer die Hosentasche steckt, und die Hand dann soweit in sich selber verdreht, das einem beim zusehen schon schlecht wird, kommt verdammt lässig daher! Und der kann sogar richtig singen! Die Audienz ist beeindruckt. Ich auch! Wer also so abwechslungsreichen, modernen Rock mit gut zwei oder drei Skateboards im Gepäck mag, der kriegt hier die Vollbedienung, ich finde die jedenfalls total geil!

Frank und ich gucken uns danach mal an, was denn vor der Türe so los ist, und werden nicht enttäuscht: Von Normalos über kleine Mädchen und HC-Typen bis hin zu Schlabberiros ist absolut alles in diesem verschlafenen Nest vertreten, und kaum das es halb neun ist, kotzen die vor der Türe schon um die Wette. Kein Wunder wenn die Flache Schnaps gleichzeitig mit der Tüte hier alle Rundenrekorde bricht! Alle Achtung, unglaublich!

Drinnen rotzen derweil die coolen DAMAGERS mit ihrem dreckigen, traditionellen Rock alles voll, wo vor allem der Schlagzeuger absolut alles kann, vom Stick drehen bis hin zum Faust im Takt gegen den eigenen Kopp donnern! Cool!

Sprechchöre von wegen Saarland Asozial lassen nicht lange auf sich warten, und der Mischer hier hat das Prinzip absolut verstanden und lässt grundsätzlich nichts anderes laufen als HELLOWEEN! Das aber wirklich konsequent! Daumen hoch!

Danach trumpfen SKAFIELD mit einer vier Mann starken Bläserfront auf, natürlich ganz fleißig vom Publikum betanzt, und man kann jetzt schon seinen Hut vor der Organisation und der Durchführung ziehen, weil tatsächlich alles perfekt im Zeitplan abläuft, und keine Band sich hier herausnimmt zu überziehen. Klasse! Das gibt es ja nun wirklich so gut wie nie! Liegt heute wahrscheinlich daran, dass jeder weiß das hier um zwölf Uhr Schluss sein muss, und die Jungs von PASCOW dafür den Kopf hinhalten müssen. Also großes Lob an alle, geil!

Tja, dann wir lustigen DIE DEUTSCHEN BRITNEY SPEARS! Oder wahlweise DIE DEUTSCHEN PUR! Obwohl Matze das Schlagzeug wechseln muss, braucht er nicht länger als alle anderen Bands auch, also nur die eingeplanten 15 Minuten. Tja, Matze K-Superstar! Klopp auf die Schulter…

Backstage steht so eine Bühnentreppe mit fünf Stufen rum. Da kann ich es mir unmöglich nehmen lassen, die an die Seite auf die Bühne zu stellen, das ich immer bequem auf das große Case krabbeln kann, was da rumsteht. Frank und ein Bühnenhelfer (die im Übrigen alle saunett und sehr hilfsbereit sind!) bringen das Ding rein, und der Typ schüttelt mit dem Kopf und zeigt mir n Vogel. Kann ich nicht verstehen, komisch.

Claus findet Backstage auch noch was Schönes: Ein Rednerpult und Texte mit Noten von Weihnachtsliedern und Schlagern und so einem Dreck. Das wird selbstverständlich umgehend konfisziert und auf die Bühne vorne ans Mikrofon gestellt. Man weiß ja nie wann die Zeit für eine Lesung reif ist.

Thomas´ Fan, ein Mädchen was „das Wetter“ genannt wird, darf sich noch schön hinter den Thomas auf die Bühne setzen und Bier süppeln. Ich habe allerdings überhaupt keine Ahnung, was ein grüner Iro mit dem Wetter zu tun haben soll. Na ja, mir egal.

Also los. CHEFDENKER Energie!

Sofort krabbeln hunderttausend Leute auf die Bühne, setzen sich auf meine schöne Showtreppe, was mir ja egal ist, klauen Bier, wo ich auch noch großzügig drüber hinwegsehen kann, aber schütten mein Bier um, was gar nicht geht, und müssen auch noch auf meinen Fußtretern rumtrampeln wie unkoordinierte, besoffene Flusspferde, weshalb der Frank die wie einen Hühnerhaufen von der Bühne runterscheuchen muss. Geiles Bild: Husch husch! Schnell! Hö.

Na ja, vorne wird sauamtlich rumgepogt, so ungefähr bis zu einem drittel der Halle, und ich schmeiße mich fürs Solo ordentlich auf dem großen Case in Pose, direkt vor dem Strahler, den ich extra so schön vorher dafür ausgerichtet habe. Also Gitarrensolo, guckt mal alle her wie geil ich bin, aber es guckt ja gar keiner! Watt is datt denn? Aha, ist ja auch kein Wunder: Der Lichtmensch hat die Lampe ausgemacht, und ich stehe irgendwo in der letzten Ecke im Schatten. SPINAL TAP wären stolz auf mich! Nun gut, so hat wenigstens der Lichtmann was zu lachen!

Also wieder alle Mann an die Front, ab auf die Monitorboxen und aufgrund der eher kurzen Spielzeit von 45 Minuten das Hitfeuerwerk der ersten Platte abgerissen, und da zeigt es sich wieder: Das ist das, was die Leute wollen! Und keine neuen Stücke die noch unbekannt sind! Riesenspaß, und ein saugeiles Bild die volle Halle zufrieden zu sehen!

Irgendwann ist der Thomas weg. Futsch. Na, wo ist er denn? Frank gibt mir Zeichen: Thomas will zur Theke sich ein Bier holen. Aber leider ist es da so voll das er da nicht durchkommt, und seine Odyssee bei der Hälfte abbrechen muss…

Zwei kleine Mädchen, vielleicht zarte dreizehn Jahre alt, eine wasserstoffblond, die andere schwarzhaarig, beide mit demselben, roten WOHLSTANDSKINDER-Shirt (!) bekleidet, tanzen in der ersten Reihe lustig vor sich hin, und klettern alle paar Minuten auf die Bühne. Hopps, schon oben. Dabei bleiben die zwei aber Lemmings-Like immer artig hintereinander, und bleiben auch immer schön am Bühnenrand um bloß nicht irgendwen zu stören, und um dann – hopps – in die pogende Meute zurück zu hüpfen. Die zwei kleinen Mädels - mitten rein in die Treterei, und bei jedem Mal scheint es denen noch mehr Spaß zu machen. Hui, und hepp, rein da, jippiee! Das sieht so unsagbar putzig aus, das ich den beiden kurz vorm springen immer noch mal übers Köpfchen streicheln muss! Während einer Ansage, ich belohne mich grade mit einem Schluck Bier, kommt die kleine Blonde auf die Bühne gehoppelt und umarmt mich. Hä? Was ist denn jetzt los? Joh, ich tätschle mal übern Kopf, und ich ehe ich raffe was die denn will, nimmt die mir das Bier aus der Hand – schnapp - und ist –schwupps- wieder unten. Ich bepisse mich ja fast vor lachen! Also die hat das Prinzip schon verstanden und ich will die unbedingt adoptieren! Unser Rock-Nachwuchs! Es gibt also einen Gott!

Also weiter braten, alle gehen ab, grölen mit, Stagediving vom Feinsten, auch wenn es mir gar nichts ausmachen würde wenn die Typen sich nicht ständig in meinem scheiß Gitarrenkabel verfangen würden, aber sonst alles verflucht geil! Leck! Mich! Am! Arsch!

Irgendwann muss der Matze auch mal auf dem Case rumtanzen, irgendwann der Thomas auch, ganz schön wacklig da oben, weil die Rollen da drunter nicht fest sind, rotzen, HipHop-Like an die Eier packen das manche Leute Tränen lachen, mal wieder glanzvoll alles abhaken was so geht. Claus fragt auch noch kurz in die Runde ob vielleicht jemand nach Noten vom Blatt ein Weihnachtslied spielen möchte, natürlich reißt das Fell von der Bassdrum, und wenn man eh schon mal dabei ist: Es reißt ne Basssaite, aber auch wir trumpfen mit perfekt getimter Spielzeit auf, Matze zeigt das er auch im stehen spielen kann, und zum Abschluss rutscht Thomas noch oberamtlich auf einer Bierlache aus und legt sich tierisch auf die Fresse! Also da kann keiner behaupten das da irgendwas gefehlt hat, und der letzte Publikumschor vom Punkrockkavalier verdient die absolute Höchstnote!

Ich will hier von dieser Bühne gar nicht runter! Nie mehr! Verdammt ist das großartig hier!

Aber CHEFDENKER Ende! Mann sind wir geil! Super. Toll.

Dann die mächtigen PASCOW. Unnötig zu erwähnen: Geradeaus, in die Fresse, laut, schnell, dreckig, das Publikum pogt sich halbtot, es geht einfach nicht noch straighter, geil geil geil!

Der Basser (mit dem anständig auf dem Boden schleifenden Bass!) hat heute sein Abschiedskonzert. Na, wie lange wird es dauern bis es wieder in den Fingern juckt?

Irgendwann stehen unglaublich viele Leute auf der Bühne, Chaos, alle werden wieder runtergebeten, Pogo bis zum abwinken, aber alles saufriedlich, klasse, bis auf eine kleine Rangelei, und die braucht doch keine Sau!

Der Gitarrist rutscht beim rumtitschen und rumposen auf einer Lache aus, fliegt auf die Fresse, in der B-Note würde ich sogar höhere Bewertungen geben als eben beim Thomas, und tritt sich dabei irgendwie sauunglücklich selber den Amp um. Beide Daumen hoch! Erste Liga!

Der neue Basser muss noch viiiiiel lernen, zum Beispiel wie lang ein Gitarrengurt zu sein hat und das Beine auch schon mal breit wie der Ganges zu stehen haben, aber spielerisch alles im Lack. Aber spielerisch? Wen juckt datt denn? Beine breit, Gitarren senkrecht! Hopp hopp! Du hast große Fußstapfen zu füllen…

Tja, dann bei der Zugabe, Punkt zwölf Uhr und Null Sekunden, die Stimmung ist auf dem absoluten Höhepunkt, wird der Strom abgestellt. Also das nenne ich ja mal wahrlich deutsche Pünktlichkeit. Die zwei Minuten hätten die Junx aber nun wirklich nicht zu Ende spielen können, da würde umgehend die Welt untergehen. Da packste Dir echt an den Kopp!

Na ja, egal, alles geil, der extra bereit gestellte Sicherheitsdienst (!) bittet die Leute raus, und die machen das auch sehr routiniert, weil die sonst bei Fußballspielen im Ruhrpott arbeiten…

Tja, weil Jazz punkten will fahren wir nicht nach Hause sondern pennen im Hauptquartier von PASCOW und kriegen morgens noch ein fürstliches Frühstück am gedeckten Tisch!

Also das Konzert war jetzt mal ganz weit vorne, eines der absolut besten, und demnächst geht es hoffentlich wieder mit PASCOW on the road! Und wenn dann wieder so coole Bands dabei sind, die so klasse Musik machen, und so nette Typen, und so lässiges Publikum bei vollem Haus bei endlosem Bandbiervorrat, tja dann ist das meine persönliche Marienerscheinung! Gott segne euch alle! Saarland asozial, schallallallalla! Prost!