Chefdenker Unplugged Konzert - 25.11.2004 Druckkammer, Koblenz
Wir werden für ein Konzert in Koblenz gebucht. Haut einen noch nicht so unbedingt vom Hocker. Allerdings soll das Konzert an einem Donnerstag stattfinden, und das coole daran: Unplugged!
Hm. CHEFDENKER anplackt? Uneinjestöpselt? Mit ohne Strom? Wie soll das denn bitte funktionieren? Das will doch keine Sau hören! Das braucht doch kein Mensch! Also sagen wir selbstverständlich sofort zu! Also in der Woche ab dahin, zu so einem kleinen Club mit Tanzfläche und kleiner Bühne, und manchmal steigen hier so coole Fetisch-Partys, so richtig mit strengem Dresscode und leckeren Ladys, und wahrscheinlich auch mit Leuten denen unglaublich einer abgeht wenn denen ein Einlauf verpasst wird. Ausgezeichnet! So, wir bauen auf. Zwei Gitarrenamps für Claus und mich, eine Snare mit einem Becken und dahinter ein Sofa als Schlagzeughockerersatz für den Matze, und ein Tisch um das Bier und den Aschenbecher abzustellen für den Thomas. Heute spielt er mal nicht mit! Noch einen Lampenschirm und eine Garderobe dabei: Fertig ist das perfekte Bühnenbild! Trotzdem wird ganz prollig der Banner dahinter gehangen, ist ja klar, wofür haben wir das Ding denn? Und sogar die Kabelkiste findet Verwendung, die nimmt Matze als Bassdrum! Soundcheck = Jedeck! Das reimt sich, und was sich reimt ist immer gut. Tja, Prominenz ist auch zugegen, einer vom mächtigen A-Team aus Trier, und der hat auch sicherheitshalber mal das Maskottchen J.T. mitgebracht, deren Freundin heute Abend unbedingt jemanden abschleppen will, und das obwohl sie noch fahren muss. Hm. Wird gar nicht mal so leicht, weil sich nur eine halbe Handvoll Leute dazu herablassen wollen CHEFDENKER zuzuhören, wie sie wie die letzten Hippies auf ihren Gitarren rumschrammeln und dabei rumheulen. Komisch aber auch, normalerweise sind Akustik-Konzerte von uns Donnerstags immer ausverkauft! Punkt neun Uhr sollen wir anfangen, und um zehn aufhören, weil sich sonst die Leute gestört fühlen, die über dem Club wohnen, deswegen dürfen wir unsere Gitarren auch nur gaaanz leise spielen. CHEFDENKER? Psssst! Wenn schon mal so wenige Leute da sind, dann nutze ich auch selbstverständlich die Gelegenheit alle per Handschlag und Smalltalk zu begrüßen. Das nennt sich dann in Fachkreisen Publikumsnähe. Toll diese Publikumsnähe. Jedenfalls kriegen wir irgendwann keinen Schnaps mehr. Ist gestrichen. Ach so. Aber die großen Krüge Bier werden nicht gestrichen. Na gut, reicht auch. Auf geht’s, wir nehmen unsere Positionen auf Barhockern ein, und Thomas ohne Instrument, dafür aber mit viel wichtigeren Sachen wie Pfeife und Bier auf der Bühne hinter uns am Tisch! Claus begrüßt die paar Leute, die sich doch tatsächlich ein geiles Ska-Konzert in der Nähe für uns entgehen lassen, mit den Worten „Willkommen zum ersten und wahrscheinlich letzten CHEFDENKER-Unpluggedkonzert“. Tja. Was soll man dazu sagen? Die Leute sitzen auf der Bank an der Wand und fragen sich wahrscheinlich „was zum Teufel machen die da?“. Denn auch wenn das anständige Songs mit vernünftigem Arrangement sind (selber Lob!), klingen die unverzerrt dahingedudelt einfach schlimmer als feuchte Köterkacke, und ich kann mir das Lachen echt nur schwer verkneifen! Na ja, mit Humor geht alles besser, und mit ein paar Schluck Bier ist alle perfekt. Irgendwann kommt sogar der Matze vom essen holen wieder, weil wir uns heute selber verpflegen müssen, und setzt sich mit seinen Pommes auf sein Sofa an das spärlich ausgestattete Schlagzeug. Thomas raucht Pfeifchen, Matze nuckelt Pommes, CHEFDENKER mähen mal wieder alles in Grund und Boden, und der Gesichtsausdruck vom Frank, der in der hinterletzten Ecke steht und sich wahrscheinlich gerade ein Mauseloch zum verkriechen sucht, sagt mehr als tausend Worte! Am allerschärfsten klingen die schnellen Soli wenn die nicht verzerrt gespielt werden: Bing bing bing. Mann mann mann, Riesenrockshow! Adrenalin pur! Da darf auch das Solo mit der Gitarre aufm Rücken nicht fehlen, und einen Song lang stelle ich mich auf die Box… damit ich nicht einschlafe.
Irgendwann spielt der Claus einen neuen Song alleine, eh egal, kann ich pissen gehen, und auf dem Scheißhaus kommentiert einer das Konzert mit „na geht so“…
Der Schnaps wirkt auch so langsam und ich mache ein bisschen piff paff aufm Trömmelchen, denn ich hab keinen Bock mehr, und Claus singt ein bisschen weiter. Lallalla. Endlich ist die Stunde voll gnadenlosestem Schrott vorbei, haben wir das auch abgehakt, Gott sei Dank, und ich verliere hinterher zu Null am Kickertisch und muss deshalb selbstverständlich nackt drunter her kriechen. Allgemeine, unumstößliche Regel! Ein gutes Werk vollbringe ich aber trotzdem noch, indem ich einem Mädchen einen Gästelistenplatz auf einem unserer nächsten Konzerte verspreche, wenn sich der Freund heute nach Strich und Faden abschießen darf, ohne das sie rumkeift, und sie auch noch alles macht was er möchte…! Sie ist einverstanden! Na dann. Auf der Fahrt nach Hause schafft es Thomas drei Mal aus dem Busfenster zu kotzen, damit hat er den Abend gewonnen, und ich muss morgens um halb sechs aufstehen um rohen Blattspinat und ungarische Enten in Tiefkühltruhen zu räumen. So habe ich mir mein Leben immer vorgestellt: Abends Akustikkonzert, morgens Tiefkühltruhen auffüllen. Hoffentlich kann ich das mal bis zur Rente machen!
Aber wir müssen trotzdem noch mal dahin, nämlich wenn da die leckeren Lackladys auftauchen! Prost! |