CHEFDENKER, HEIMATGLÜCK, RATTENGIFT - 27.03.2004 Zoro, Leipzig

Der Iro-Kollege mit Namen Heidi (!), den wir von Senftenberg mit nach Leipzig nehmen, entpuppt sich als Dipl.-Ing., der das Studium lässig mit 1,3 klargemacht hat... Nun gut. Geschmeidig alles gefunden, geile, große Hütte, lecker essen, alles suppa. Bei der Begrüßung der Mischerin stellt der Thomas sich auf seine Weise vor und statt "Hallo" zu sagen drückt er richtig kräftig und voller Inbrunst einen ab das die Wände nur so wackeln - Tach, ich sinnet sellba. Gut. Die Mischerin macht ihren Job richtig gut, hat man selten, und der Laden ist mit schätzungsweise 300 Leuten rappelvoll. Geilomat!

Die drei Leute von RATTENGIFT präsentieren abwechslungsreichen Deutschpunk (so was solls geben) der es dem Matze ziemlich antut, und das trotz des Namens, der eigentlich Knüppel-Parolen-Punk vermuten lassen sollte. Die Reaktionen sind sehr positiv, wenn auch anfangs sehr zurückhaltend. Aber von der Single, die die vor Jahren mal aufgenommen haben, wollen die selber nix mehr wissen. Aha, dann mal hopp hopp was neues an den Start gebracht, meine Herren.

Derweil machen sich die zwei Mädels und der Typ von HEIMATGLÜCK aus Hamburg zurecht: Schürzen und Kappen, und ein Mädel hat ein Schweißband vom 1.FC Köln aufm Kopp. Wir als Kölner fragen selbstverständlich, ob sie sich dafür nicht schämt, und sie antwortet komplett verständnislos: "Wieso? Die sind doch Tabellenletzter, oder?" OK, Applaus. Den kriegt auch der Typ, der Tourbegleitung macht. Der rührt nämlich den ganzen Abend keinen Finger, steht Backstage rum und haut sich die Hucke zu das es nur so kracht (warum wohl? Ich könnte es mir fast vorstellen: Weilerjescheitis?). Die haben heute ihren vorletzten Gig ihrer einwöchigen Tour, gestern gesoffen, und deswegen heute eher abstinent. Egal, Showtime. Musikalisch, lasse ich mir sagen, gehen die ziemlich stark in Richtung LILI. Da stimme ich aber nur bedingt zu, denn so einen Überkracher wie "500 Singles" oder "Ich steh auf Farin U." suche ich vergebens. Kann aber auch daran liegen, das man nicht immer alles vom Text versteht. Kennt man ja, is ja live. Posing is nich, nur nett aussehen. Dafür aber sehr nett. Die Reaktionen des Publikums sind auch eher positiv zurückhaltend. Manchmal habe ich so das Gefühl, die meisten wissen damit nix anzufangen, finden es aber irgendwie ganz nett. Ich glaube fast, bei jüngerem Pop-Publikum würden die alles wegrocken! Nun ja.

Vorm Konzert noch geschmeidig abwursten gestaltet sich schwierig weil alles vollgepisst und vollgeschissen ist. Punkrock ist, wenn alles voller Scheiße ist, all right! Matze wird erkannt und kriegt sein Ego aufgebläht von wegen "ihr seid so geil" und "du bist toll" und so. Aha, da hat es endlich jemand verstanden!

Einige Gesichter kennen wir aus Torgau, unter anderem die Metalgruß-Punks und DIE JUNGS, aber leider fehlen hier BOCKWURSCHTBUDEn- und DELIKAT-Gesichter. Unverzeihlich! Gut. CHEFDENKER gö!

Vor so viel Leuten zu spielen, und so einen Haufen Krach machen zu können, der bedingungslos abgefeiert wird, macht einen unglaublichen Spaß, und deswegen ist meine Müdigkeit auch wie weggeblasen, obwohl wir erst des Nächtens um zwei loslegen können! Die Partys hier gehen immer erst so spät los, weiß der Geier warum, in Köln hätten um die Uhrzeit alle den Arsch schon längst voll. Auch Scheißegal!

Vor der Bühne ist wirklich gut Pogo und der Claus schreit sich die Lunge ausm Hals, wir posen als hätten wir sie nicht mehr alle und die meisten hier sind sogar Textsicher, leck mich am Arsch, schweinegeil! Bei den Ansagen erzählt Claus wichtige Details bezüglich Hallen-Minigolfsport und feiert die Hallen-Minigolf-Anlage in Schwarzheide ab...

Natürlich trampeln mir - trotz hoher Bühne - Leute auf den Fußschaltern rum, Bier krieg ich auch noch ins Auge, geil, und mein Kajal, mit Thomas Schnäuzer, Matzes Eiern aus Stahl und Claus´ feuchten Blähungen sind schlicht und ergreifend verflucht geschmeidig! Aber Thomas bleibt trotz allem bekleidet. Joh. Musikalisch gesehen spielen wir mittlerweile blindlinks miteinander, so das wir uns ganz unserm Spaß hingeben können von wegen Meute beim Pogen zugucken, Bierchen trinken, für die Kamera posen um auch ja dem Prädikat Poserschweine gerecht zu werden und was man halt so beim Spielen macht: Pimmel raushalten.

Zum ersten Mal wünsche ich mir uns sellba zugucken zu können. Verflucht, DAS ist genau das, was man sich als Band wünscht: Eine volle Hütte mit coolen Leuten, guter Sound, Riesenspaß und und alles im Lack!

Einstimmig: Unser Bestes und Geilstes Konzert! Der Osten rockt halt jeden in Grund und Boden, Claus hat es schon immer gewusst, und der Chor bei "Punkrockkavalier" kommt so sexy rüber, das sich mir fast der Landjäger in der Hose aufstellt, Leckomat! So, genug selbst abgefeiert.

Nach der letzten Zugabe wird natürlich artig "Filmriss" gefordert, was wir natürlich artig - wie immer - nicht spielen. Claus kriegt von hackevollen Typen irgendwas ins Ohr gelallt von wegen "...du bist mein Idol bla bla", und wir kriegen die üblichen Schnapsideen präsentiert "...ich mach mal n Konzert und da lad ich euch ein blabla", is klar, mach mal.

Ziemlich OK sind auch ein paar Jungs aus dem Ort "Stö", die dann auch mal eben lässig die Band STÖKRAFT gegründet haben. Weißer Edding auf schwarzer Lederjacke, das "A" artig umkringelt. Ich kipp um vor lachen. Die wollen demnächst ein Benefiz-Konzert geben, und zwar für einen ihrer Hunde! Der hat nämlich irgendwie bei einem Unfall ein Bein verloren, und die Operationen waren schweineteuer. Oder so ähnlich. Da haben wir doch ohne zu zögern sofort zugesagt. Vielleicht werden wir da ausschließlich "Filmriss" covern. So zwanzig Mal hintereinander, wär doch mal was.

Irgendwer versucht uns noch mal auf die Bühne zu schicken, wir sollen doch einfach irgendwas zwei Mal spielen. Claus merkt an, das es ein ungeschriebenes Gesetz in ganz Europa ist, einen Song nicht zweimal spielen zu dürfen. Der Typ meint, er fände es nicht gut, sich an Gesetze zu halten.

Abbauen, wegschließen, Schnäppaken reinfegen.

Saufgeschichte: Irgendwann gegen morgen macht die unglaublich gute Idee die Runde, doch ins nahe gelegene Conne Island (oder so) zu gehen. Eine Disco. Tolle Idee. Super.

Angekommen hat die echt noch auf, kostet aber zum Glück keinen Eintritt mehr, und ist wider Erwarten rappelvoll. Also schnell n schnelles Schnellbier und dann einen kleinen Jägermeister reinjefecht. Aaah, lecker.

Also was haben wir denn hier so? Ich werd bescheuert: Hier läuft 80er-Jahre-Chartmusik! Die DJ-Dame kratzt alle paar Minuten mit der Nadel über die Platte während die Songs laufen, aber das stört hier keine Sau.

Und auf der Tanzfläche? Ich glaub es nicht! Wo ist der Köbisch, der muß das sehen! Da tanzen normale Popper neben Iro-Asseln ernsthaft auf den alten Dancefloor-Kram. Ich glaub ich spinne! Wahrscheinlich fragen die sich, was daran so lustig ist. Uns wird erzählt, das sei hier normal, jeder toleriert hier wohl jeden und jede Musik. Aha. Und an der groß beschrifteten "Gardarobe" (!) hängen schicke Ausgehfummel neben versifften Nietenjacken. Ich krieg mich nicht mehr ein!

Zu allem Überfluß ist auch noch der bekloppte Tourbegleiter und Freund von einer HEIMATGLÜCK-Dame dabei. Der kommt aus Seattle, trägt Jazzie´s bauchfreies, pinkes Hustler-Top, hat wahrscheinlich den Arsch voll bis Anschlag und legt mit mir auf der Mitte der Tanzfläche eine heiße Gay-Tanzperformance hin, das sich die Menschenmassen wie einst die Wellen für Moses teilen, und die uns wahrscheinlich doch ziemlich heiß finden. Ein Wunder, das wir nicht eins in die Fresse gekriegt haben! Und sein Lieblingsspruch: "Only Allah can see you!" und "Do the Pony, come on, one and two do the pony...".

Aua aua aua!

Danach dreht er ab und fragt unaufhörlich "I´m interestet in YOUR opinion, do I look more than Brad Pitt or Tom Cruise? I always hear I look like Brad Pitt or Tom Cruise..."

Ach nee, watt herrlich!

Huppala, et is ja schon hell! Den Rückweg bringt uns einer irgendwie zurück und da sehen wir dem Thomas beim Punkten zu. Oder eher gesagt beim Nachspiel: Plöpp, gluck gluck, knutsch, gluck. Nä, watt aufregend.

Auf der Rückfahrt schrauben sich Matze und Thomas den Kopf ab und erfinden das Bordklo in Form einer Punica-Flasche. Es ist soweit, Prost.