CHEFDENKER, K.G.B. und STAATSPUNKROTT - Oktober 2006 Horb-Mühringen, Cafe AmErika

So wie jede Ska-Band irgendwie das Wort Ska im Namen verbraten muss, muss auch jede D-Punkband irgendwatt gegen Staat und für Punk im Namen haben. Deswegen heißen wir CHEFDENKER.

Egal. Ich kriege einen morgens einen Anruf vom Thomas, dass es Matze scheisse geht und nicht mitkommen kann.

Naja, jedenfalls springt ganz kurzfristig der Alex ein, MOFAGANG-Kopf, EISENPIMMEL-Schlagzeuger und Punk im Pott-Veranstalter. Schon steht er vor der Proberaumtür und freut sich total dabei zu sein, obwohl er sich eigentlich auf ein schönes Wochenende auf der Couch gefreut hat.

Kind beim Nachbarn abgegeben, Frau n Zettel hingelegt, jippie, Trömmelchen kloppen bei CHEFDENKER, gestatten: Der Alex.

Ewig lange Kackfahrt bis runter nach Stuttgart, wo Alex wieder ganz nebenbei ein paar Klopper raushaut, zum Beispiel dass er jetzt ne zeitlang nebenbei ein bisschen bei RASTAKNAST Bass spielt. Einfach so. Findet er nichts ungewöhnlich dran. Jessy und ich belachen uns, weil so n harmloser Normalo-Familienpapi-Kerl wie der Alex Basser bei Asselmucke wie RASTAKNAST. Also bitte! Alex verständnislos: „Warum lacht n ihr jetzt?“

Unfassbar!

Jedenfalls ist Alex vor einem Jahr das letzte Mal bei uns als Schlagzeuger eingesprungen, und hatte ja heute Morgen keine Zeit mehr sich vorzubereiten. Also auf halber Strecke, nach ein paar Fahrtbier, legen wir unsere CD ein, Alex hört kurz hin und murmelt so was vor sich hin wie: „OK, den spielen wir. Den nicht. Den auch nicht. Den können wir probieren...“ Bandprobe! Entspannter geht es nicht mehr!

Naja, in Karlsruhe sammeln wir unseren Nacktfilmer und –Mischer Sire Uwä ein, weil er da in seinem Heimatkaff im Moment arbeitet. So ist das beim Film. Und schon sind wir wieder in Horb-Mühringen unter Stuttgart, im absoluten Waldgebiet, mitten im gar nichts. Das Essen hier ist wie immer genial, und der Veranstalter Uwe erzählt, dass er doch jetzt mit Ende 30 so langsam mal was anderes machen müsste außer dieses Café AmErika hier. Och.

Die Leute von KGB haben auch schon ein paar Tage auf dem Buckel, wenn man denn den grauen Locken des Sängers Glauben schenken darf! Das 25-jährige Bandbestehen ist schon ein paar Tage her, und der Wild at Heart-Uli aus Berlin hat da Ende der 80er mal den Bass gezupft. Und heute im maximal 100 Mann fassenden Konzerträumchen des Café AmErika! Boh, also das ist echt mal zäh! Eurem Durchhaltevermögen gehört ein Pokal überreicht. Leck mich an die Füße!

Und ich dachte Thomas und ich wären schon zäh, so zum 10-jährigen, gemeinsamen Bühnenjubiläum auf der Mammutbühne in der Weltstadt Oerlinghausen zu stehen.

Nun gut. Das übliche Spielchen, draußen trinkt die Punkerjugend, und ich lerne endlich mal den Labelchef von SUBWIX kennen, Murderjunkie77! Der heißt Christian und ist ein total netter, ruhiger Typ, der ganz gut Kickern kann, und sein Geld immer zum Fenster rausschmeißt um Platten zu produzieren, weil er die Musik halt gut findet. Idealistenlabel!

Ja.

Irgendwann sind wir dran. Unten das Mini-Räumchen ist voll mit Leuten, perfekt für ein Punkrockkonzert. Die Luft ist stickig, die Band gut laut und Uwe steht an den Knöpfchen und sorgt dafür dass der Scheiß, den wir fabrizieren, vorne auch tatsächlich richtig passabel aus den Boxen scheppert! Oder zumindest aus einer Seite, weil die Anlage auch schon bessere Tage gesehen hat!

Gut. Der astrein eingeprobte Alex braucht von jedem Song immer die Anfangstönchen, kein Problem, und schon steigt er mit ein als hätte er nie was anderes gemacht. Geil! Die Leute pogen wie die bescheuerten, allerdings super friedlich, was mir wichtig ist, und ein Iro-Typ steht plötzlich nackt vor mir und wedelt mit seiner Nudel! Cool! Aber Thomas steht da hinten auf der anderen Seite!

Alles, was der Alex irgendwie spielen kann bringen wir auch, und Alex entpuppt sich als echt räudige, dreckige Rocksau, so richtig mit einen vom Leder ziehen und reinkloppen wie bescheuert und Fills und Wirbelkram wie aus dem Rotzrock-Lehrbuch, dass Thomas und ich immer gleichzeitig erstaunt nach hinten gucken watt denn nu los is!? Boh, also alle Hüte ab, beide Daumen hoch, wir sind beeindruckt! So klingt also eine Vergangenheit zwischen Schlager und EISENPIMMEL am Schlagzeug. Kann man echt mit leben!

Und die Enden findet er auch noch alle ganz sauber, was man uneingeprobt ja normalerweise gerne mal vergeigt.

Jedenfalls ein göttliches Konzert, wirklich ein Riesenspaß, so muss das sein, Gepoge, Geschrei, Punkrockfingerchen in der Luft, Stagediver trotz ohne Stage, kleine Mädchen nehmen sicherheitshalber Reißaus und setzen sich auf die Fensterbank hier direkt neben mir und wippen im Takt mit, jippie, super Konzert! Mehr als ne super Entschädigung für die scheiße lange Fahrt! Die Luft wird immer knapper, sauheiß hier, Riesenspaß, Claus erklärt in seinen Ansagen Gott und die Welt, und sogar die vier Riesen mit Armen aus der Muckibude und den Bomberjacken, die zugegebenermaßen einen düsteren Eindruck machen, feiern und pogen hier lustig und friedlich mit, eins mit Sternchen!

DAS sind die Konzerte auf die man wirklich Bock hat! Sehr, sehr geil!

Irgendwann, nach gefühlten zwei Minuten und einem Riesenspaß, haben wir auch schon alles gespielt was Alex kann. Er würde gerne noch weitermachen. Wir auch!

Claus macht einfach weiter. Nach ein paar Minuten „Angela“ und „Schneeflöckchen Weißröckchen“ und „Ich geh mit meiner Laterne“ und watt weiß ich nich all gehe ich hoch Kickern. Von unten höre ich Geschrammel und Claus´ One-Man-Performance. Zehn Minuten. Zwanzig. Dreißig. Scheint allen tierisch zu gefallen, die bleiben alle da unten und feiern das total ab! Geil!

Ja, wir vom Dorf wissen halt watt sich gehört!

Claus schrummelt so alles vor sich hin und erzählt dabei was ihm so einfällt, praktisch seine Entschädigung dass er uns gleich wieder betrunken rumgondeln darf.

Nach einer halben Ewigkeit, alle sind triefend nass geschwitzt und glücklich, ist dann Feierabend. CHEFDENKER ahoi.

Aber geiles Konzert! Morsspaß! Mehr davon!

Beim gemeinsamen an-der-Theke-sitzen und unterhalten hinterher steht da der Axel rum, Sänger von WIZO. Ich hab dem Alex schon gesagt, dass ich dann endlich mal platte Witzchen über WIZO machen kann, wenn der Axel echt zum Konzert kommt. Alex hat mich gewarnt dass ich das bloß lassen soll, weil der da keinen Spaß versteht und bei so was keinen Humor hat.

Gesagt, getan, ich also hin zu dem WIZO-Sänger-Axel-Typ, moin, ich lächel den an und sage ihm dass er aber ne ganz schön beschissene Band hatte. Alex dahinter schlägt die Hände überm Kopp zusammen, und dieser Axel bookt sofort los, als hätte ich ihm seinen Lolli geklaut, von wegen watt ich denn jetz davon hab, dem so was zu sagen, und watt datt denn jetz soll, und überhaupt.

Hui. Witzig! Also schnappe ich mir irgend so ne Assel, die grad da vorbeimarschiert, und sage dem: „Das hier ist übrigens der Sänger von WIZO. Aber der hört auf weil ihm Punk zu reaktionär geworden ist.“

Irgend so n Kram steht auf der Homepage, keine Ahnung, ist ja auch vollkommen Wurst. Die Assel jedenfalls guckt mich an wie ein Auto und geht sofort weiter, und Axel bookt wieder: „Nein! Punkbands sind mir zu reaktionär geworden, nicht Punk! Die Bands! Die Bands!“ Och Gottchen, fehlt nur noch dass er mit den Füßen trampelt und sich die Haare rauft.

Wie süß. Ich lächel also weiter um falle ihm ins Wort: „Naja, Schwamm drüber, jedenfalls wenn Du ne neue Band machen willst, da willste doch wohl nicht selber Gitarre spielen. Also das kannste ja nun wirklich nicht. Aber kein Problem, ich mach das für dich. Aber das kostet! Das wird nicht billig! Das will ich ordentlich was für sehen!“

Irgendwie guckt der böse. Der checkt so Flachomaten-Witzchen scheinbar echt nich. Jedenfalls steigt er nicht drauf ein. Na gut. Geh ich halt. Gutes Gefühl, dem Sänger von WIZO persönlich gesagt zu haben das WIZO kacke waren. Obwohl ich die doch wie jeder andere auch rauf und runter gehört habe, jahrelang! Naja.

Aber ich hätte echt gedacht dass so ein alter Punkrock-Haudegen sich gelangweilt bedankt wenn man sagt dass die Band kacke war. Oder irgendwatt. Aber scheißegal, für uns geht es ab in die Haja.

Gepennt wird wieder 1A in der Pension bei der 81-jährigen Frau Lehrmann, der freundlichen, lustigen Dame, die nur noch ganz langsam gebückt gehen kann. Frau Lehrmann ist der Meinung, dass Feiern ohne Alkohol langweilig ist! So! Sie erzählt, wie sie auf einer Feier auch ein paar Bier getrunken hat, hält sich dann die Hand vor den Mund und flüstert: „Und ein paar Schnäpschen waren auch dabei.“

Die scheint Uwä auch noch genommen zu haben, so zerschossen wie der Morgens mit seinen glasigen Knopfaugen gekrümmt liegend im Hajabettchen aussieht. Und in drei Stunden muss er auch noch arbeiten. Oh je!

In der Pension hängen auch so wichtige Täfelchen mit Aufschriften wie: „Im Himmel gibt´s kein Bier drum trinken wir es hier.“ Und Bilder von ihrem Sohn in Unterwäsche, wie er mit Freunden am Tisch um ein Fässchen herum sitzt, und ähnlich sympathische Sachen. In der Hauptsache haben wir das Konzert hier eh nur gespielt um zu sehen ob Frau Lehrmann noch gut drauf ist!

Gut. Matze geht es wieder super, Alex hat einen Mörderjob als Aushilfsschlagzeuger hingelegt, Danke, Thomas musste für seinen Ingenieursjob jetzt am Wochenende was ganz wichtiges lernen, hat er bestimmt, Claus könnte in Zukunft eigentlich öfter CHEFDENKER-Konzerte headlinen, wär doch cool, Frank ist froh dass er für ein bisschen Büsschen fahren wieder umsonst saufen konnte, und Jessy fürs verkaufen ebenfalls.

Alle glücklich und zufrieden, kein Stress, so find ich datt super! Wenn Punkrock doch immer so geil wäre!!

CHEF-Konzert Nummer 108: Café AmErika im Kaff unter Stuttgart, winziges Ranzräumchen aber sehr geil, super Publikum, geiles Konzert, super Fressen, super Pension, astrein korrekter Veranstalter, sehr empfehlenswert!

Drei Konzerte stehen dieses Jahr noch an, Anfang nächsten Jahres nehmen wir so langsam unsere dritte Platte in Angriff, die, so wie es aussieht, zumindest ein paar Rock´n´Roll-Nummern und ein paar Midtempo-Hymnen ausspucken wird, und vielleicht kriegt Sir Uwä sogar die DVD hin. Alles natürlich wie immer auf unserem Lieblingslabel TRASH 2001! Mal sehen. Der wahrscheinliche Plattentitel: COVERBANDS IST DIE ZUKUNFT! Vielleicht sogar so falsch geschrieben: COVERBAND´S. Mal sehen.

Claus und Matze machen derweil mit Raki (SCHMEISIG, Ex-WSK) und Türk (Ex-WSK) und Anne (Ex-KARMA KOLA) eine Popband mit dem Namen TICK17! Das bisschen, was ich bisher gehört habe, war sehr geiler, sehr geschmeidiger Uptempo-Pop mit Frauenstimme und Claus Lüerik-Texten! Nix für D-Punker und Asseln!

Sowatt gediegeneres nimm ich auch demnächst mal in Angriff! Hab ich Bock zu!

Jetzt bräuchte ich aber erstmal n neuen Job! Ne super Frau hab ich schon!!

Und wer sich über den ganzen Kram genauer informieren will:
Ticksiebzehn.de
Schmeisig.com
Subwix.biz
Cafeamerika.de

Popmusik und liebe Leute! KOLLEGE 11/06

Nachricht von Jessi vom 17.11.2006 04:09
Nachtrag Horb Mühringen meinerseits

a.) Der Axel hat uns noch zum Frühstück eingeladen. Da waren wir aber leider schon den Uwä inner Heimat abliefern.

b.) Verkaufen hat an dem Abend nicht so´n Spaß jemacht, weil keiner watt koofen wollte. Weil is ja alles alt und verbraucht und so.

c.) Ich laufe so an ner minderjährigen Assel und seiner nicht weniger minderjährigen Ollen vorbei und sie:
"willste nich mit uns kommen?"
- Ähm? Versteh ich das richtig?
"Ja, schon. Wie schaut´s aus?"
- Nee, ich hab zu tun. Und bin auch mit so´n paar Leuten hier. Die wollen gleich los.
[...]

Andere, furchtbar süße, jedoch minderjährige Olle:
"Wollen wir nicht ein bisschen Fummeln?"
-???
"Hast mich schon richtig verstanden. Wie sieht´s aus? Prüde"
(Anscheinend schon. Das mit dem Gesetz und Sex nehm ich recht genau...Und vor allem: DA drüben stehen die JUNGS!!!)

d.) Der Alex und der Axel haben da so´n lustisches Internetvideo-Geburtstagsgruß-Ding, bei dem die beiden die Grüße mitlesen können. Und am Geburtstag von Tom und Bill Kaulitz (Tokio Hotel) haben die armen Schweine bis zu 30 mal dieses Video zugeschickt bekommen.

e.) Frau Lehmann hat noch ihre Hüftimplantate, welche DU fälschlicherweise für eine Regalkonstruktion hieltest, ausgepackt.

Das war´s von meiner Seite, glaub ich.

Es grüßt und säuft et Jäzz.