CHEFDENKER, O.B. und SOKO DURST - 29.05.04 Talschock, Chemnitz

Überschrift: Frisch wie der junge
Morgentau! Ein Auge halb geschlossen, dafür aber das andere schlitzbreit offen, stinkend wie die Sau und eine Fahne drei Meter gegen den Wind, mitten in der Nacht aufstehen, um Klamotten in den Bus zu laden. Macht ja nix, ich trinke ja bekanntlich, weil ich mich gut dadurch fühle. Aber zumindest haben wir gestern Abend endlich mal die geilen Speichelrocker von INTEROZITOR live erleben dürfen. Können watt.

Der Fö sitzt schon frühmorgens gemütlich im Em Kapellche und is am fegen (und zwar Schnappes sich sellba rein!), und ich mach sicherheitshalber ersma mit. Man weiß ja nie. Der Fö markiert dieses Wochenende den "Freien-Sitz-Warmhalter". Selber schuld! Dann ab in den Bus und Frank eiert uns lockere acht Stunden Richtung Osten nach Chemnitz. Boh ist das geil! Kater bekämpfen auf der Autobahn im Bus, wo ununterbrochen, ohne Pause, brechend laut die PARASITEN-Cd "Wir ziehen weiter mit dem Rock ´n´ Roll" durchläuft. Verdammt, warum kenne ich keine normalen Leute?

Der ganz normale Bus-Wahnsinn bricht auch wieder los, und wer den stinkendsten Furz abdrückt kriegt automatisch den meisten Applaus. Die Furzpausen werden aber keineswegs vergeudet, da wird sich im Detail erklärt, wer denn wann und zu welchem Anlass wo einen Haufen in die Schüssel gesetzt hat, und ob es denn beeindruckend genug aussah...

Prima, stachelt meinen Kotzreiz noch an.

Im Talshock in Chemnitz angekommen finden wir ein amtlich auf die Beine gestelltes Konzert vom Veranstalter Dirk vor, mit Schränken von Sicherheitsleuten an der Tür, einem ziemlich geilen Sound, super Essen und prima Pennplätzen! Astrein! Normalerweise wird der ca. 500 Leute fassende Schuppen wohl immer voll, heute kommen aber leider statt der erwarteten 300 Besucher "nur" so an die 200. Vor uns spielen vier Oi-Bands, womit CHEFDENKER dann natürlich leicht fehl am Platz sein werden. Naja.

Frank und ich beeindrucken ein Team nach dem anderen am Kickertisch, und so langsam können wir ruhigen Gewissens behaupten, wir sind die Schlechtesten der Besten, oder mindestens mal andersrum!

Jazz und Thomas basteln eine Evil-Hand aus Pappmaché, wie das Rockstars halt so machen, während sie auf ihren Auftritt warten, um der Langeweile des übertriebenen Drogenkonsums, des Autogramme-gebens und des alles-kaputtschlagens zu entkommen, und ich wechsel artig zwischen Bier und Punkrock-Fanta. Ich glaube mit Fanta sehe ich ziemlich gefährlich aus.

Fö und Frank machen sich kräftig locker (für alle, die es noch nicht kennen - das macht man, indem man ein, zwei Bier trinkt!), motzen aber darüber, das dieses Kappler-Bier im Gegensatz zum leckeren Sternburg und Breznak nicht richtig...ich sage mal locker macht. In diesem Zuge prägt der Fö den Spruch des Abends, während er so halb angeknetscht in der Ecke steht und ungläubig auf seine Flasche starrt: "Da trinkt man mal zehn, zwanzig Bier um n bisschen locker zu werden..." Hach nee, watt muss ich mich beömmeln!

Dirk, der Veranstalter, spielt auch mit seiner Oi-Band, und die covern MOTÖRHEAD, sehr anständig! Ich bin artig am verkacken und gerade eingepennt, da ertönt das Signal zur Showtime. Das ist hart. Joh, so um ein Uhr spielen wir dann auf, und die allermeisten sind erwartungsgemäß schon weg. Egal, vor einer Hand voll Leute schmeißen wir uns in Pose, ein paar Normalos belachen sich über unsere senkrechten Gitarren und breitbeinigen Gebärden, aber die Oi-Jungs finden uns Scheiße und die Poserei absolut albern, weshalb ich auch ne 1a-Bierdusche genießen darf, die prima im Auge brennt und die Finger verklebt. Lecker. Ja nu, CHEFDENKER ist halt nicht Oi-Kompatibel, ich kann es ja auch nicht ändern, das durch Claus´ eher komisch gemeinte Grölerei manchmal der Eindruck entsteht...

Aber einmal lustig auf die Box klettern tu ich dann doch ma, weil sieht ja schon putzelig aus...

Gut, Auftritt zu Ende, ich schäle mich aus meinen komplett durchnässten, verklebten und stinkenden Klamotten und bilde mir ein, alleine damit schon automatisch das Punkrock-Fähnchen hoch zu halten.

Nun ja, jetzt geht es wieder los mit dem Gut-ist-Schlecht-ist-Spielchen: Gut ist, hier gibt es tatsächlich Duschen. Die sind sogar gepflegt. Da kommt sogar Wasser raus, huppala! Schlecht ist: Nur Eiskaltes! Na gut, Warmwasser ist eh was für Lappen, also Zähne zusammen und - Männerdusche! Ich überlege, ob kalt Duschen vielleicht so gerade noch Heavy Metal sein könnte. Ich glaube fast, ja.

Derweil begnügt sich Jazz mit einem sehr beengten Merchstand, aber immerhin werden ihre Titten abgefeiert, was sie zu ziemlichen Begeisterungsstürmen hinreißt.

Danach werden in aller Ruhe die üblichen, unspektakulären Feierabendbierchen getrunken und Guts Nächtle. Prost.